Aktuelle Pressemitteilung der Reptilienauffangstation vom 15.06.2021

Reptilienauffangstation nimmt wilde Savannah-Katze auf

Das Leid der neuesten Trend-Haustiere


Aktuell sind sie wieder in aller Munde – Savannah Katzen, Bengalkatzen und Co. Die exotisch anmutenden Kreuzungen aus Hauskatzen und verschiedenen Wildkatzenspezies erfreuen sich seit einigen Jahren immer größerer Beliebtheit, der eine oder die andere Prominente, wie Justin Bieber schmücken sich damit und dienen hier als minder gutes Beispiel. Allerdings sind die Problematiken bei Zucht, Haltung und Versorgung dieser Tiere vielfältig und betreffen insbesondere tierschutzrechtliche Aspekte.

So kommt es bei der Verpaarung einer wilden Katze mit einer Hauskatze oft zu tödlichen Nackenbissen, die den Eisprung auslösen. Die Wildkatze ist naturgemäß um ein eventuell mehrfaches größer und damit stärker. Ebenso sorgen die eigentlich ganz unterschiedlichen Tragezeiten für Jungtiere der unterschiedlichen Spezies bei den Muttertieren für Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt, denn: das Muttertier ist fast immer die Hauskatze, da man ja die Jungtiere möglichst nah am Menschen aufziehen möchte.

Vor einigen Wochen musste die Auffangstation für Reptilien, München e.V. nun eine weitere dieser Hybridkatzen, eine sogenannte Savannah, aufnehmen – eine Kreuzung aus Siamkatze und dem in Afrika wildlebenden Serval.

Anhand ihrer körperlichen und charakteristischen Merkmale ist stark davon auszugehen, dass diese Katze entweder direkt aus einer Verpaarung mit einem Serval stammt, oder aus der Generation direkt danach. In Fachkreisen bezeichnet man das als F1 bzw. F2 Generation. Die Haltung von Hybridkatzen dieser Generationen ist in Bayern streng untersagt. Woher dieses Tier stammt oder wem es ursprünglich gehörte, wird wohl niemals geklärt werden können.
Die Savannah wurde in Nordbayern über 18 Monate immer wieder beobachtet. Sie riss diverse Tiere wie Hühner und Enten, und war extrem scheu. Tierschützern gelang es nach eineinhalb Jahren, das Tier in einer Lebendfalle einzufangen. Da herkömmliche Tierheime mit der Aufnahme und Haltung einer exotischen Katze meist überfordert sind, kam sie zu uns in die Auffangstation für Reptilien. Hier werden schon seit Jahren auch exotische Säugetiere wie Affen, Waschbären oder eben solche Katzenartigen versorgt.

Bisher zeigt sie sich beim Umgang mit unseren erfahrenen Pflegern extrem scheu und – falls konfrontiert – auch durchaus aggressiv. Ein völlig normales Verhalten für eine exotische, noch dazu verwilderte Katze. Aus unserer Sicht ist nicht davon auszugehen, dass man dieses Tier jemals als „Haustier“ halten kann.

Hybridkatzen – auch solche aus späteren Generationen –  stellen die Besitzer und ihr Umfeld vor große Herausforderungen. Viele dieser Tiere sind wirklich wild, und haben einen stark ausgeprägten Jagdtrieb und Bewegungsdrang. Auch deswegen ist es unverantwortlich, diesen Tieren Freilauf und Jagd ohne Begrenzung zu erlauben.

Anhand unseres Falls zeigt sich ein weiteres Dilemma der Haltung von Hybridkatzen; so erfolgreich auch die Zucht von manchen Tieren verläuft – es bleiben immer wieder Katzen „übrig“. Diese gehören weder in die freie Wildbahn, noch aufs Sofa. Vielmehr müssen wir nun (wahrscheinlich monatelang) einen geeigneten Platz für das Tier suchen, an dem es den Rest seines Lebens wild aber nicht frei, aber immerhin mit einem großzügigen, wildkatzengerechten Freigehege leben darf. Eine riesige Aufgabe. Und „unsere“ Savannah ist nur eines von vielen Tiere, die ungewollt irgendwo landen. Geeignete Auffangstationen, geschweige denn artgerechte, lebenslange Unterbringungsmöglichkeiten, sind Mangelware.

Bei Rückfragen, für O-Töne oder Foto- und Filmaufnahmen melden Sie sich bitte gerne bei  presse@reptilienauffangstation.de oder unter der  +49 1578 336 7007 (Dr. Markus Baur) bzw.  +49 1635477141 (Susanne Egli) .

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