Aktuelle Pressemitteilung

Reptilienauffangstation wieder mit der Aufnahme von Affen und Co. konfrontiert – andere Anlaufstellen gibt es kaum

Im Herbst 2021 wurde das Team der Auffangstation für Reptilien München, e.V., erneut vor große Herausforderungen gestellt. Diesmal betraf es allerdings nicht unsere Kernkompetenz, die Reptilien, sondern zum wiederholten Male exotische Säugetiere. Denn seit über sieben Jahren nehmen wir inzwischen auch Säuger auf; in Ermangelung an anderen passenden Anlaufstellen oder schlicht überfüllten Auffangstationen wie das Raubkatzenasyl in Ansbach mussten wir unsere Räumlichkeiten auch für solche Tiere öffnen und zugänglich machen.
Brandaktuell wurde Ende Oktober ein Husarenaffe aus einer privaten Haltung behördlich beschlagnahmt. Der zuständige Amtsveterinär handelte Gott sei Dank schnell und nachhaltig. Denn so viel steht fest: eine so katastrophale Haltung wie diese sieht man nicht alle Tage. Gerade mal 5m² hatte der Primat als sein „Reich“. Diese winzige Fläche lag auch noch in einem Keller, und war bei Ankunft der Behörden verdreckt, dunkel und kalt. Zusätzlich befanden sich unzählige Verletzungsquellen in dieser Umgebung. Insgesamt fünf lange Jahre lebte der hochintelligente und sozial anspruchsvolle Affe hier völlig isoliert – wenn man es denn Leben nennen kann.
Die sofort durchgeführten, ausführlichen tiermedizinischen Untersuchungen ergaben mehrere gravierende „Baustellen“ – und noch ist nicht sicher, ob der Affe diesen jahrelangen Missbrauch überleben wird. Leid (insbesondere in der Form von starker Angst), Schmerzen und Stress waren seine stetigen Begleiter – wir können nur hoffen, dass der ehemalige Halter für sein Verbrechen angemessen zur Rechenschaft gezogen werden wird.
Kaum war der Husarenaffe angekommen, kam schon der nächste Anruf. Diesmal von einem Kollegen des Deutschen Tierschutzbundes, mit dem wir seit Jahren sehr eng zusammen arbeiten.
Aufgrund eines Brandes musste der Bewohner eines Hauses dieses verlassen. Was auf dem Grundstück zurückblieb, waren die Tiere. In diesem Fall handelte es sich um zwei Stachelschweine, die bisher unter annehmbaren Bedingungen gelebt hatten. Da die Immobilie nicht wieder bezogen werden kann, mussten auch diese exotischen Säugetiere weichen, und landeten durch die Kooperation mit dem Tierschutzbund in unserem Exotenhaus.
Gott sei Dank haben diese beiden Tiere kein jahrelanges Martyrium hinter sich wie der Affe – aber auch ihre Zukunft ist mehr als ungewiss.
Weiterhin haben uns in den letzten 12 Monaten 3 Bengalkatzen (illegal gehalten auf einem Speicher), ein Gibbonjunges (sollte auf einem Parkplatz für 15.000 Euro verkauft werden) und eine F1-Savannahkatze (als potentiell gefährlich eingestuft, strich monatelang wild durch die Gegend bevor sie gefangen werden konnte) erreicht – diese Tiere zu vermitteln ist praktisch unmöglich, beziehungsweise in den meisten Bundesländern untersagt.
Wohin mit ihnen?
Was lehren uns diese Fälle? Wir als Veteranen im Tierschutz sind seit Jahren mit der Gesetzgebung rund um exotische Tiere vertraut. Wir verfolgen nicht nur die Diskussionen um Positivlisten und Halter-Sachkunde genau, wir bringen auch unsere Expertise und unser Fachwissen stets ein. Und wir müssen an diesem Punkt sagen: Gesetzgebung, Kontrollbehörden und auch die Rechtsprechung versagen immer noch viel zu oft.
Der Husarenaffe wurde sofort beschlagnahmt, und dafür sind wir dankbar. Weitere Tiere in der Obhut des Halters mussten jedoch vor Ort verbleiben – wir müssen abwarten ob noch weitere Schritte gegen den Tierhalter eingeleitet werden. Dazu kommt, dass die Haltung des Tieres in dieser Form in mehreren Fällen gegen Gesetze verstieß. Schon allein die Herkunft des Tieres müsste lückenlos geklärt werden – aber obwohl es gechippt ist und bekannt ist welche Zoos diese Affen halten, und so als potentielle Herkunftsorte in Frage kämen, kann hier nichts weiter unternommen werden, da der amtlich geprüfte Chip nicht nachverfolgbar ist. Die öffentliche Aufmerksamkeit ist zu gering. Ob der Halter jemals zur Rechenschaft gezogen werden wird, ist ebenfalls unklar. Wir wären ja schon zufrieden, wenn er wenigstens dazu gezwungen würde die jetzt anfallenden Kosten zu begleichen. Aber auch da gibt es Schlupflöcher und Wendungen – und so bleibt das Amt bisher auf den Kosten sitzen.
Die Herkunft des Gibbons ist bekannt – er wurde von einem kleinen Zoo an privat verkauft. Dem Zoo drohen keinerlei Konsequenzen dafür, dass er ein streng geschütztes Jungtier verhökert hat – noch dazu an eine vollkommen unkundige Privatperson. Wieso nicht?
Bei den Stachelschweinen wiederum zeigt sich ein anderes Manko im praktizierten Tierschutz: diese Tiere wurden gut und legal gehalten, müssen aber aus einer Notlage heraus weggegeben werden. Und genau dafür gibt es ebenfalls keinerlei Netzwerk. Es gibt weniger als eine Handvoll Auffangstationen deutschlandweit für solche Tiere – dabei werden exotische Säuger bei Privatleuten immer beliebter. Wo übernimmt hier der Staat oder auch das jeweilige Bundesland die Verantwortung für Tiere, die die Halter, sprich Bürger dieses Landes, nicht mehr halten kann, darf, oder überhaupt erst sollte? Fakt jedenfalls ist, dass ein Vollzug des Tierschutzgesetzes und nicht selten des Artenschutzes – und vor allem bei potentiell gefährlichen Tieren – kaum machbar ist, weil es keine Unterbringungen für solche Tiere gibt.
Tatsache ist, diese Tiere existieren in Deutschland. Auf Speichern, in Kellern und hinter Garagen leiden hochintelligente, eigentlich wildlebende Tiere in unbekannter, riesiger Anzahl vor sich hin. Weder Positivlisten noch gepflegte Diskussionen werden daran etwas ändern. Nur die Durchsetzung der bestehenden Gesetze und die unerbittliche Nachverfolgung von Rechtsbruch kann hier Abhilfe schaffen – und dazu gehört auch, dass der Verstoß gegen das Tierschutzgesetz finanziell schmerzen muss, wenn nicht sogar mit Freiheitsstrafe geahndet gehört.
Wir werden weiterhin alles dafür tun, damit sowohl Halter als auch Behörden noch besser aufgeklärt werden. Vielleicht lassen sich so zumindest die schlimmsten Auswüchse der exotischen Tierhaltung vermeiden. Ebenso werden wir weiterhin Tiere aufnehmen, die in solch einer Notlage sind. Die Tragik ist, dass wir sie nicht alle aufnehmen können – denn dafür fehlen die Räume und das Geld.
Der Bau mehrerer Auffangstationen für solche Tiere ist seit Jahren überfällig, ebenso wie die Erstellung klarer Negativlisten; denn so sehr wir auch die Haltung von Tieren von privat befürworten – ohne Sachkunde und lückenlos kontrollierte Haltungen geht eigentlich nichts!
Wir hoffen sehr, dass diese Fälle den Verantwortlichen die Dringlichkeit der Problematik aufzeigen und hoffen auf Antworten auf unsere Fragen.

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu. Datenschutzerklärung