Anakonda von Söchtenau zieht in die Reptilienauffangstation ein

Anakonda_thumbIn den vergangenen Wochen hatten die bundesweiten Medien ein neues Sommerloch-Tier in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Nach dem „Ungeheuer von Dornach“ (Geierschildkröte ‚Eugen‘), dem bösen Bubenbeißer „Lotti“ und der Schnappschildkröte „Suarez“ traf es in diesem Jahr eine Gelbe Anakonda. Angeblich war das Tier bereits Wochen zuvor immer wieder von Augenzeugen am Siferlinger Weiher bei Söchtenau beobachtet, jedoch nie gemeldet worden. Und auch ein Jäger aus der Region konnte von einer Begegnung berichten, identifizierte das Tier zunächst jedoch fälschlicherweise als Netzpython. Erst Mitte August konnte die Schlange von einem Fischer fotografiert werden, so dass nach Rückfrage bei der Auffangstation für Reptilien, München e.V. schnell klar wurde, dass es sich bei dem freilaufenden Exoten in Wirklichkeit um eine Anakonda handelte.

Schnell verbreitete sich die Nachricht des „Seeungeheuers von Söchtenau“, so dass in letzter Instanz sogar der Weiher gesperrt und ein Badeverbot ausgesprochen wurde. Die Reptilienauffangstation warnte im Gespräch mit den diversen Medienvertretern immer wieder davor, das Tier unnötig zu dämonisieren und unbegründete Angst bei der Bevölkerung zu schüren. Anwohnern zufolge sollen einige Bürger vor laufender Kamera sogar auffallend stark bedrängt worden sein, nur um eine Aussage zu erhalten, wie verängstigt die Menschen in Söchtenau angeblich seien. Dieses in hohem Maße unseriöse Verhalten einiger Journalisten ist nach Ansicht der Reptilienauffangstation weder sachdienlich, noch wird es dem „Gefahrenpotential“ des freilaufenden Tieres auch nur ansatzweise gerecht.

Die Gelbe Anakonda (Eunectes notaeus) ernährt sich überwiegend von Mäusen, Ratten und anderen Nagetieren, Fischen, Reptilien und Amphibien sowie Seevögeln. Für den Menschen ist sie als ungefährlich einzustufen. Die Art kann bis zu 3 Meter lang werden und wird sich bei Konfrontation mit dem Menschen diesem in der Regel ausweichen bzw. flüchten. Die Tiere gelten als nicht-aggressiv, können sich jedoch bei anhaltender Belästigung bzw. unsachgemäßer Handhabung mithilfe von Bissen zur Wehr setzen. Die Bissverletzung durch eine Gelbe Anakonda ist von Art und Umfang her wenn überhaupt mit dem Biss einer Katze vergleichbar. Selbst Kindern können die Tiere nicht ernsthaft gefährlich werden, so dass im Fall von Söchtenau das verhängte Badeverbot eine etwas überzogene, wenn auch verständliche Reaktion war.

Die Herkunft des Tieres ist unbekannt. Es handelt sich entweder um ein absichtlich ausgesetztes oder aber um das entflohene Heimtier eines Schlangenhalters. Üblicherweise setzen sich Exotenhalter, denen ein Tier entlaufen ist, mit der Reptilienauffangtation in Verbindung. In vielen Fällen können wir helfen und das Tier an seinen Eigentümer zurückgeben. Fast das ganze Jahr hindurch sind derartige Fälle nicht ungewöhnlich und gehören zum Arbeitsalltag der Reptilienauffangstation dazu. In Fällen wie der Anakonda von Söchtenau, in denen sowohl das Tier als auch der Halter medial bewusst ins schlechte Licht gerückt werden, wird sich der Halter jedoch verständlicherweise nicht mehr melden.

Am vergangenen Samstag konnte die Anakonda von Söchtenau von zwei Münchnern eingefangen und in die Reptilienauffangstation gebracht werden. Mithilfe eines Musterabgleichs zwischen dem zuvor gemachten Foto und dem eigentlichen Tier konnten wir inzwischen eindeutig nachweisen, dass es sich um das gesichtete Tier handelt. Die männliche Schlange, die von unseren Tierärzten liebevoll „Ambrosius“ genannt wurde, wird in den kommenden Wochen unter Quarantäne gehalten und eingehend untersucht werden. Nach Freigabe durch unsere Tierärzte wird das Tier schließlich zur Vermittlung freigegeben werden. Interessenten aus Bayern benötigen eine Ausnahmegenehmigung nach dem LStVG Art. 37, da Gelbe Anakondas vom bayerischen Gesetzgeber als potentiell gefährlich eingestuft wurden.

 

 

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