Auffangstation übernimmt Affen und Krokodil von Rentnerin

Weil eine Seniorin aus Ostbayern ihre Haustiere der etwas anderen Art nicht mehr halten konnte, hat die Auffangstation für Reptilien, München e.V. vor kurzem ein Stumpfkrokodil und einen Javaneraffen in ihre Obhut übernommen. Insgesamt hatten die Exoten 25 Jahre lang bei der Familie gelebt, nach dem Tod ihres Mannes musste die Seniorin die Tiere nun aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen an die Münchner Tierschützer übergeben.

“Man muss sich in solchen Fällen auch immer wieder in Erinnerung rufen, dass die Tierhaltestandards in den 1970er und 80er Jahren andere waren als heute”, kommentiert der Leiter der Auffangstation Dr. Markus Baur den Fall. “Immerhin ist die Haltung der Tiere damals ohne Beanstandungen durch das zuständige Veterinäramt genehmigt worden.”

Das Ehepaar hatte den Javaneraffen (Macaca fascicularis) 1992 als gerade einmal fünf Tage altes Jungtier bei sich aufgenommen. Verkauft wurde es ihnen damals von einem ostdeutschen Tierpark. Heute weiß man, dass Affen bei einer so frühen Trennung von der Mutter die wichtige Phase der Sozialisierung entgeht. “Ob das Tier, das in seinem ganzen Leben noch keinen einzigen Artgenossen zu Gesicht bekommen hat, jemals mit anderen Affen vergesellschaftet werden kann, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch vollkommen unklar”, erläutert Baur.

Viel wichtiger ist aktuell zunächst der Gesundheitszustand des Tieres. Die Stationstierärzte haben den Primaten vergangene Woche vollständig untersucht und auf diverse Wehwehchen abgeklopft. Fachtierärztin Sabine Öfner sieht dringenden Handlungsbedarf: “Der Makake hat Zahnprobleme, die wir so schnell wie möglich behandeln müssen. Und auch die Kniegelenke sind behandlungsbedürftig. Nicht zuletzt haben wir Hautprobleme, leichtes Übergewicht und Diabetes bei dem Tier festgestellt.” Die Kosten allein für die Zahnsanierung, die wir von einem Spezialisten durchführen lassen müssen, werden voraussichtlich rund 2.000 Euro betragen.

Etwas besser sieht es da bei dem Stumpfkrokodil (Osteolaemus tetraspis) aus, das den Haltern seinerzeit jedoch als junger Brillenkaiman verkauft worden war. Zu dieser Zeit war es tatsächlich nicht unüblich, dass auch Zoohändler über keine ausreichenden Artenkenntnisse verfügten und die Herkunftspapiere deshalb teils sehr willkürlich ausstellten.
Das Krokodil wurde bei der Rentnerin in einem selbstgebauten Wasserbecken im Wohnzimmer unmittelbar neben der Couchgarnitur gehalten. Von dort aus hatte es freien Zugang zu allen Räumlichkeiten des Stockwerks.

“Das Krokodil hat zwar Übergewicht, macht auf uns ansonsten aber einen guten Eindruck”, beurteilt Tierärztin Öfner den Gesundheitszustand des Tieres. “Da es für diese Spezies ein Arterhaltungs-Zuchtprogramm gibt, lassen wir außerdem ein DNA-Profil des Tieres erstellen. Wenn die Resultate auch hier gut aussehen, können wir die Panzerechse möglicherweise an einen Zoo mit entsprechendem Zuchtprogramm weitervermitteln, was natürlich die beste Lösung wäre.”

 

Wenn Sie zur tiermedizinischen Versorgung und fachgerechten Haltung dieser beiden Tiere beitragen möchten, freuen wir uns über Ihre Spende unter Angabe des Verwendungszweckes “Spende Krokodil” oder “Spende Affe” auf unser Vereinkonto. Alternativ können Sie für diese Tiere gerne auch eine Patenschaft übernehmen und sich so an der Deckung der langfristigen Kosten beteiligen. Vielen Dank!