Die Lebenden und die Toten – vernachlässigte Reptilien teilten sich völlig verschmutzte Terrarien mit toten Artgenossen

Raum

Blick in die vermüllte und verdreckte Tierhaltung

Traurige Bilanz einer Beschlagnahmung bei privatem Halter in Niederbayern: 25 lebende Reptilien, eine Vogelspinne und etliche Papageienvögel konnten gerettet werden. Für 32 Reptilien, zahlreiche Vögel sowie je drei Frösche und Vogelspinnen kam jede Hilfe zu spät. Unter den geretteten Tieren befinden sich u.a. Geckos, Königs- und Strumpfbandnattern und südliche Madagaskarboas, die nun in der Reptilienauffangstation gepflegt werden.

Kornnattern in verdrecktem Terrarium

Kornnattern in einem völlig verdreckten Terrarium

Der Einsatz dauerte fast fünf Stunden und verlangte viel von unseren Tierärztinnen Sabine Öfner und Tina Hollandt. In dem einzelstehenden Nebengebäude stand eine Räumung an. Durch die verdeckten Fenster war jedoch nicht zu erkennen, was sich im Inneren verbarg. Das ganze Grauen brachte erst der vergangene Donnerstag ans Tageslicht. In dem großen, mit Vogelkot und Schmutz verunreinigten Raum befanden sich ca. 80 Terrarien und Vogelkäfige in verschiedensten Stadien des Verfalls. Teils fehlende Scheiben, kaum Wärmelampen und Heizungen für die Reptilien, schadhafte, ungesicherte Elektrik und dann der Gestank.

Lampropeltis

Königsnattern in einem dreckigen Terrarium

Vögel flogen durch den Raum und eine Schönnatter kroch durch den zentimeterhohen Dreck am Boden. Auf den ersten Blick war klar, dass die Rettung der Tiere schwierig werden würde. Der zweite und dritte Blick offenbarten dann das ganze Ausmaß der aus dem Ruder gelaufenen Tierhaltung:

In sowie vor und zwischen den Terrarien fanden sich Tierleichen – Mumien, Skelette, unkenntliche Fragmente – neben noch lebenden Tieren. Als habe der Halter die toten Tiere einfach durch neue ersetzt, ohne die Leichen zu entfernen. Die Vögel hatten sichtbare Augen- und Atemwegsprobleme und klebten zum Teil mit blut- und schmutzverkrusteten Krallen an den Sitzstangen fest. Ihre toten Artgenossen lagen verwesend am Käfigboden. Doch sie hatten Wasser und Futter. Nicht so die Spinnen und Reptilien. Denn die toten Spinnen waren vertrocknet! „Dass eine Spinne vertrocknet, die ja in der Wüste und dort mit Wassermangel lebt, ist wirklich kaum möglich. Die müssen seit Monaten kein Wasser mehr gesehen haben“, so Tina Hollandt. „Die einzige überlebende Vogelspinne hat ihren ersten Tag in der Reptiliena uffangstation dann gleich freiwillig im Wasserbad verbracht – für sie war es sicher Rettung in allerletzter Minute.“

Leichen

Leichen in teilweise mumifiziertem Zustand

Die restlichen Tiere sind in meist schlechtem Zustand, dehydriert, unter- und mangelernährt, von Parasiten befallen. Von den Strumpfbandnattern sind drei Jungtiere in der Station verstorben.

Die Auffindesituation der Tiere erscheint typisch für das sogenannte Animal Hoarding (eine inzwischen anerkannte Krankheit) und hat nichts mit verantwortungsvoller Tierhaltung zu tun, wie wir sie fordern und unterstützen.

Es bleibt zu hoffen, dass hier Strafanzeige erstattet und der Halter zur Verantwortung gezogen wird.

Stirnlappenbasilisk

Stirnlappenbasilisk bei der Untersuchung