„Ein Verbot für die Haltung von Giftschlangen ist nicht die Lösung!“

giftschlange_thumbNordrhein-Westfalens Umweltminister Remmel plant ein Gesetz, wonach die Haltung von Gifttieren künftig verboten werden soll. Und auch das Bundesumweltministerium scheint laut einer Sprecherin bereits ähnliche Überlegungen zu haben. Hintergrund dieser Diskussion war ein Bissunfall in der vergangenen Woche, bei dem ein Mann aus dem Landkreis Kleve von seiner Puffotter gebissen und lebensgefährlich verletzt wurde. Die Reptilienauffangstation in München warnt vor unüberlegtem Handeln.

Dr. Markus Baur, Leiter der Auffangstation für Reptilien, München e.V. und zugleich Reptilien-Sachverständiger für das Bundesumweltministerium, beobachtet die nun aufkeimenden Reaktionen auf den Unfall mit großer Skepsis: „Es darf auf keinen Fall vergessen werden, dass strikte Verbote lediglich bewirken, dass die Halter solcher Tiere sich der behördlichen Überwachung entziehen. Der Handel mit Gefahrtieren wird auch weiterhin unkontrolliert über das Internet stattfinden.“

Ein weiteres Problem sieht Baur in der Unterbringung beschlagnahmter Tiere, die als direkte Folge eines solchen Verbots massenhaft zu versorgen wären: „Es müsste sichergestellt werden, dass all diese illegal gewordenen Tiere tierschutzgerecht und sicher untergebracht und versorgt werden können. Im Falle eines Verbotes ist dies eine staatliche Aufgabe, die mit massiven Kosten verbunden ist und nicht ohne Weiteres auf private Initiativen und Vereine abgewälzt werden darf.“

Zudem betont Baur mit Nachdruck, dass die große Mehrheit der Tierhalter, die exotische und teils potentiell gefährliche Tiere hielten, sehr wohl verantwortungsvoll und sachkundig agierten. Unfälle seien in der Regel sehr selten und beträfen primär die Halter selbst und so gut wie nie Dritte. Dennoch ist Baur der Ansicht, dass eine qualifizierende und zu belegende Sachkunde auf hohem Niveau für jede Tierhaltung essentiell und gerade in diesem Themenbereich unabdingbar ist: „Es gibt bereits seit Jahren ein gutes und anspruchsvolles Konzept zur Vermittlung und Prüfung von Sachkunde für Tierhalter und zudem gute und durchführbare gesetzliche Vorgaben in einigen Bundesländern, die eine Vorlage bieten könnten, um auf Bundesebene eine sinnvolle Regelung zu ermöglichen. Eine bundesweit einheitliche Regelung, die nicht auf pauschalen Verboten, sondern auf der Sachkunde des Halters beruht, würden wir sehr begrüßen.“ Für die Etablierung solcher Regelungen seien jedoch weder emotionale, noch populistische Vorstöße geeignet oder zielführend, sondern das Thema bedürfe dringend einer ausschließlich auf wissenschaftlichen Fakten basierenden, rationalen und verhältnismäßigen Bearbeitung und Vorbereitung, so Baur abschließend.

 

Anmerkung: Bei diesem Text handelt es sich um eine gekürzte Fassung. Bei Bedarf und Interesse können Sie die ungekürzte Version hier nachlesen.

 

 

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