Einer der markantesten Bewohner der Auffangstation ist gestorben

berthold_thumbVor gut fünf Jahren haben wir „Berthold“, unser sehr großes Geierschildkrötenmännchen, aus Berlin bekommen. Der arme Kerl war 1958 gekauft worden und hatte seither, wie damals leider allgemein üblich, in einer Wanne gelebt. Im Laufe einer 53-jährigen Haltung bei einem mittlerweile selbst alt und pflegebedürftig gewordenen Herrn war das Tier zu einem Gewicht von 45 Kilogramm herangewachsen und noch dazu überaus dick. Die Behörden mussten einschreiten, da die Schildkröte keinesfalls in seinem Bottich verbleiben konnte und auch die Nachbarn sich über üble Gerüche im Haus beschwert hatten. Nur leider sind Geierschildkröten schwer unterzubringen und eine Vermittlung an Privathalter ist illegal in Deutschland. Also wurden Ministerien und der Deutsche Tierschutzbund involviert, die das Tier an die Auffangstation für Reptilien nach München vermittelten.

Leider bestehen in einer Wanne – noch dazu über einen Zeitraum von 53 Jahren – kaum Möglichkeiten, sich zu bewegen, sodass die imposante Schildkröte zwar wunderschön aussah, jedoch anfangs kaum imstande war, sich selbstständig zu bewegen, denn Muskeln hatte sie keine unter dem dicken Speck. So haben die Tierärzte und Tierpfleger der Auffangstation mit dem Tier über Monate „Krankengymnastik“ gemacht und den Muskelaufbau nachhaltig betrieben, sodass „der Dicke“ nach und nach wieder laufen und im Verlauf weiterer Monate sogar im großen Krokodilbecken leben konnte, das er Nacht für Nacht aktiv umgestaltete, indem er Pflanzenkübel und große Steine durch die Gegend schob.

Wir haben diese charmante und beeindruckende Schildkröte sehr schnell ins Herz geschlossen und „Berthold“, wie wir ihn – nach einem bereits verstorbenen Förderer der Auffangstation – liebevoll getauft hatten, wurde einer der markanten Köpfe unserer Station. Bei jeder Führung fragten Besucher nach ihm und er war sehr zu Recht allseits beliebt. Vergangenen Montag fanden wir ihn leider tot in seinem Bassin. Er war ohne jede Ankündigung und ohne Krankheitsanzeichen gezeigt zu haben einfach gestorben. Natürlich wurde er pathologisch untersucht und wies bei dieser Untersuchung eine schwere Veränderung der Leber auf, die an einen Tumor oder eine chronische Leberzirrhose denken lässt (die Laboruntersuchungen werden in einigen Wochen sicherlich Details zutage fördern). Wir alle sind betroffen und traurig, den langjährigen und liebenswerten Kerl verloren zu haben und vermissen ihn bereits jetzt.

 

 

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