Gibbon in der Auffangstation

Junger Weißhandgibbon aus Privathaltung beschlagnahmt – Reptilienauffangstation informiert über die neuesten Entwicklungen

Bereits Anfang Dezember 2020 wurde die Auffangstation für Reptilien, München e. V von einem Veterinäramt darüber informiert, dass ein junger Weißhandgibbon (Hylobates lar) aus einer Privathaltung beschlagnahmt worden war. Auf Bitten des Amtes kamen wir unserer Aufgabe gerne nach und übernahmen das beschlagnahmte Tier am 2.12.2020.

Inzwischen ist der Affe vom Amt zur Vermittlung freigegeben – erfahrungsgemäß kann es jedoch noch Monate dauern, bevor eine geeignete Gibbon-Gruppe gefunden wird.

Was war passiert? Eine große Tierrechtsorganisation hatte über einige Zeit Kontakt mit dem Verkäufer eines jungen Affen. Dieser gab an, er würde einen männlichen Weißhandgibbon zum Weiterverkauf anbieten. Bevor der Verkauf auf einem Parkplatz stattfinden sollte, wurden von der Organisation die Polizei und das zuständige Veterinäramt informiert, welche dann einschritt. Die Kollegen aus dem Veterinäramt fanden tatsächlich ein einzelnes, erst zweieinhalbjähriges Gibbonmännchen vor.

So wurde der Affe augenscheinlich schon im Alter von nur 2-4 Wochen von einem kleinen Zoo an die anscheinend nicht fachkundigen neuen Halter verkauft. Papiere über den Handel und das Tier gab es, eine Anmeldung der Gibbons im Sinne des Artenschutzes jedoch fand nie statt. Das Schlimmste aus Tierschutzsicht war jedoch die Haltung. Der Affe wurde mit der Nuckelflasche getränkt, erhielt neben Obst und Gemüse auch Kinderbrei, Fruchtzwerge und Butterkekse – eine absolut nicht fachgerechte Ernährung für einen jungen Primaten. Anscheinend existierte auch kein  adäquat eingerichtetes Zimmer oder Gehege. Ein Partnertier wurde nicht aufgefunden, so dass stark von einer Einzelhaltung des Tieres auszugehen ist. Lediglich zwei erwachsene Menschen sollten als Bezug dienen – eine in jeder Hinsicht verkehrte und tierquälerische Haltung also.

Nachdem die Halter ihre Fehler zuerst nicht einsehen wollten, fand eine offizielle, amtliche Beschlagnahmung statt, inzwischen haben sie auf ihr Eigentum verzichtet, so dass der Primat nun offiziell von uns weitervermittelt werden darf.

Für uns als tieraffine Menschen, die aktiven Tierschutz betreiben, sind solche Haltungen das Paradebeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte.

Gibbons leben mit einem festen Partner, die Paare finden sich oft für ein Leben lang. Dabei leben diese Paare mit anderen in lockeren Gruppen zusammen. Ein Mensch kann und soll so eine Verbindung niemals ersetzen. Ebenso ist eine Vermenschlichung von Primaten – egal welcher Art – aufs Schärfste abzulehnen. Ein Tier ist kein Ersatz für ein Baby oder Kleinkind und sollte niemals unter solchen Bedingungen gehalten werden.

Gerade für uns als Tierschützer und –halter sind solche Zustände besonders tragisch – werfen sie doch ein mehr als negatives Licht auf ALLE Halter exotischer Haustiere. Der überwältigende Großteil der Halter bemüht sich um die beste Haltung für seine Tiere – umso mehr sind Negativbeispiele immer wieder Anlass für Verbote. Dies ist mehr als bedauerlich und stellt für uns immer wieder ein Problem dar. Denn unser Auftrag besteht auch darin, über artgerechte und gute Tierhaltung zu informieren – solche Haltungen machen unsere Bemühungen schnell zunichte.

Der kleine Gibbon namens Jimmy muss nun erst einmal aufwendig an eine artgerechte und angemessene Ernährung und Haltung herangeführt werden. Unser Ziel ist es, ihn so schnell wie möglich an eine Gibbonhaltung zu vermitteln, in die er integriert werden kann.

Da er sich im Moment noch offen für den Kontakt mit anderen Affen zeigt, haben wir bereits alle verfügbaren Kontakte aus unserem Netzwerk herangezogen und erhoffen uns innerhalb weniger Wochen eine positive Antwort. Denn sollte es uns nicht gelingen, das Tier schnell zu integrieren, droht ihm ein Leben in Isolation, eventuell dann auch mit langfristigen und schwerwiegenden Folgen für seine Gesundheit.

Die eventuell bereits erfolgten Fehlprägungen sind in Umfang und Auswirkungen noch nicht absehbar- auch hier hoffen wir auf die Vergesellschaftung mit Artgenossen, um diese Folgen abzufedern.  

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