Haltungsempfehlung

Europäische Landschildkröten

Dieses Informationsblatt ersetzt nicht die Anschaffung und aufmerksame Lektüre von Fachliteratur! Für Neueinsteiger in dieses spannende Hobby empfehlen wir mehrere Bücher, sowohl über die Tierart als auch über Gestaltung und Betrieb von Terrarien, zu lesen!

Wesen

Europäische Landschildkröten gehören seit vielen Jahrzehnten zu den beliebtesten Schildkrötenarten in der Terraristik. Sie sind „freundlich“ und haben ein hohes Bewegungsbedürfnis. Auch lernen sie recht schnell, dass ein Besuch ihres Pflegers häufig mit einer Fütterung verbunden ist. Männchen sind gegenüber anderen Männchen sehr aggressiv und können Weibchen gegenüber sehr zudringlich werden. Wir raten deswegen zur Einzelhaltung.

Eine gute Landschildkrötenhaltung ist (sehr) anspruchsvoll, erfordert viel Platz, bedingt eine naturnahe Freilandhaltung und ist zwingend mit einer Überwinterung der Tiere verbunden. Es werden sowohl eine geräumige Außenanlage, als auch eine ausreichend große Innenanlage bzw. beheizte Gewächshäuser für die Übergangszeiten in Herbst und Frühjahr benötigt. Landschildkröten sind NICHT für eine eigenverantwortliche Haltung von Kindern geeignet! Landschildkröten sind keine sich selbst versorgenden „Gartenschildkröten“. Diese Tiere sind bei unsachgemäßer Haltung anfällig für verschiedene, gravierende gesundheitliche Probleme. Eine reine Terrarienhaltung ist nicht möglich. Auch Jungtiere müssen schon im Freigehege, unter besonderen Schutzmaßnahmen, gehalten werden.

Lebenserwartung

Alle Landschildkröten können ein Lebensalter von etwa 30 bis über 80 Jahren erreichen.

Größe / Herkunft / Lebensraum

Häufig gehaltene Arten der Europäischen Landschildkröten:

(Aktuelle Nomenklatur unter www.reptile-database.org)

Westliche Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni hermanni)

Ehemals vom östlichen Spanien über Frankreich bis ins südliche Italien verbreitet. Im Flach- und Hügelland in Küstennähe (mediterranes Klima). In offeneren Garrigue-Landschaften bis in lichte Pinien- und Eichenwälder. Heute nur noch lückenhaftes Vorkommen mit mäßigen Bestandsdichten, da viele Lebensräume zerstört oder degradiert sind. Größe: Männchen um 18-22 cm, Weibchen um 25, selten aber auch bis über 30 cm.

Östliche Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni boetgeri)

Von Südrumänien über Bulgarien, Serbien, Bosnien-Herzegovina, Montenegro, Albanien, Mazedonien bis Griechenland und dem europäischen Teil der Türkei. In unterschiedlichen Habitattypen, von offener Landschaft mit Zwergstrauchvegetation bis in lichte Eichenwälder, sowohl unter mediterranem als auch kontinentalem Klimaeinfluss. Lokal noch hohe Bestandsdichten. Im südlichen Albanien und Griechenland gemeinsam mit T. marginata und T. graeca ibera vorkommend. Größe: Männchen 12-20 cm, Weibchen um 25, selten bis 35 cm.

Maurische Landschildkröte (Testudo graeca)

Bewohnt in mehreren Unterarten unterschiedliche Regionen Europas, Nordafrikas und West-Asiens. Testudo gaeca ibera ist die in Südosteuropa heimische Unterart. Sie kommt im nördlichen und nordöstlichen Griechenland, Mazedonien, Rumänien, Bulgarien und der Türkei vor. Ihr Lebensraum sind sandige Küstenstreifen, Flusstäler, Macchie (Buschland) und lichte Wälder. Meist um 20-25 cm, Weibchen größer werdend, bis 35 cm.

Russische Landschildkröte / Steppenschildkröte / Vierzehen-Schildkröte (Testudo / Agrionemys horsfieldi)

Von Südost-Europa über Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan, Kirgistan, Iran, Afghanistan, Nordwest-Pakistan bis ins südwestliche China verbreitet. Die Steppen-Lebensräume zeichnen sich durch ihr z.T. stark kontinentales Klima (heiße Sommer mit > 40°C und kalte Winter mit bis zu – 37°C) und eine niedrige, lückige Vegetation aus. Die Niederschläge sind ganzjährig gering. Diese Landschildkröten haben kräftige Vorderbeine und ist ein sehr aktiver „Wühler“ und überdauern sowohl die heiße, als auch die kalte Zeit unter der Erde (Hibernation – Aestivation). Größe: Männchen etwa 15-18 cm, Weibchen etwa 20-25 cm.

Breitrandschildkröte (Testudo marginata)

In Griechenland und Südalbanien vorkommend. In Italien und auf Sardinien angesiedelt. Unterschiedliche Lebensräume bewohnend: felsige Bergwiesen, Dünen und Strände, Pinienwälder, Macchie (Buschland), meist in Meeresnähe. Stellenweise noch häufig. Größe: 30-40 cm, Weibchen größer werdend.

Einzel- oder Gruppenhaltung?

Weibchen können i.d.R. problemlos gemeinsam gehalten werden. Männchen sind sowohl untereinander als auch gegenüber den Weibchen oftmals unverträglich oder rabiat und sollten deshalb bevorzugt einzeln gehalten werden. Ab und an ist es möglich in sehr großen Gehegen auch mehrere Männchen gemeinsam zu pflegen. Nicht möglich ist eine gemeinsame Haltung von mehreren Männchen mit einem einzelnen Weibchen oder eine Paarhaltung. Die Unverträglichkeit oder Aufdringlichkeit steht oft in enger Verbindung zur Gehegegröße, d.h. je größer und reicher strukturiert, desto besser kommen die Tiere miteinander aus und umgekehrt. In jedem Falle bedürfen Männchen einer sorgsamen „Überwachung“, um bei Unstimmigkeiten eingreifen zu können, bevor eines der Tiere Schaden nimmt. Es kommen sowohl Verletzungen durch Bisse und Penetrationsversuche vor, als auch ein krankmachender dauerhafter Dystress. Weswegen auch in Gruppen, die zunächst harmonisch aussehen, oft die „schwächsten“ Männchen häufiger erkranken und im Extremfall sterben.

Da in den diversen Auffangstationen sehr viele Männchen leben, empfehlen wir die Einzelhaltung dieser schwer vermittelbaren Tiere.

Vergesellschaftung mit anderen Arten

Eine Vergesellschaftung mit anderen Schildkrötenarten ähnlicher Größe, ähnlichen Gemüts und ähnlicher Ansprüche an den Lebensraum ist möglich und einer Dauerhaltung von Einzeltieren vorzuziehen. In jedem Fall muss die Vergesellschaftung unterschiedlicher Arten unter genauer und sorgfältiger Beobachtung stehen und bei Zeichen von Nachstellungen oder Unwohlsein müssen die Tiere unverzüglich voneinander getrennt werden. Unwohlsein kann sich auch in Nahrungsverweigerung und reduzierter Mobilität ausdrücken. Darüber hinaus dürfen Gesellschaftshaltungen nicht mit Tieren unterschiedlichen Geschlechts durchgeführt werden, um die Entstehung von Hybriden („Mischlingen“) zu verhindern, die bei unkontrollierter oder unwissentlicher Weitergabe zu einer „genetischen Verunreinigung“ der Gefangenschaftspopulation führen kann.

ACHTUNG: Europäische Landschildkröten können Träger und Verbreiter von Herpesviren sein, die auf anderen Landschildkröten (eventuell auch Wasserschildkröten) übertragbar sind (Keine Gefahr für den Menschen!). Aus diesem Grunde dürfen ausschließlich negativ auf Herpesviren getestete Tiere vergesellschaftet werden! Auch Schildkröten, die gesund erscheinen, v.a. Maurische- und Breitrandschildkröten, übertragen die Viren, ohne selbst Krankheitssymptome zu entwickeln! Weiteres siehe unten.

Gehege: Größe & Einrichtung

Die Haltung Europäischer Landschildkröten muss von April/Mai bis September im Freiland gewährleistet sein. Die Überwinterung erfolgt von Mitte/Ende November bis Anfang/Mitte März. Für die Übergangszeit von März bis Mai und September bis November können die Tiere entweder in einem geräumigen Innengehege oder einem beheizbaren Gewächshaus untergebracht werden. Die Temperaturen sollten dort um 25°C betragen. Lokale Sonnenplätze müssen vorhanden sein. Unser mitteleuropäisches Klima ist zu lange zu kühl und zu feucht, um die Tiere ohne ein Schutzhaus im Freien zu halten. Wie die meisten Reptilien aus warmen Trockengebieten, sind auch die Europäischen Landschildkröten gegenüber feuchter Kälte sehr empfindlich. Doch auch während länger anhaltenden sommerlichen „Kälte-“ oder Regenperioden (12-15°C), sollten die Tiere eine geschützte Innenhaltung aufsuchen können.  deswegen ist ein (beheizter) Frühbeetkasten oder ein kleines Gewächshaus essentiell in jedem Gehege.

Europäische Landschildkröten haben eine Vorzugstemperatur von 32-35°C. Die Tiere sind bestrebt, diese Temperatur möglichst lange aufrechtzuhalten, da sich dann alle körperlichen Vorgänge im Optimalbereich befinden. Ihre Aktivität beginnt ab einer Körpertemperatur von 12-15°C und ihr tägliches Aktivitätsmaximum haben die Tiere im Bereich von 25-35°C. Wärmelampen und Keramikstrahler sind für das Freilandgehege zu empfehlen und für den Innenraumaufenthalt absolut notwendig. In der Innenhaltung ist eine zusätzliche UV-Bestrahlung zwingend. In der Freilandhaltung dienen Wärmelampen/Keramikstrahler in Frühbeet oder Gewächshaus dazu, die Übergangszeit im Frühjahr und Herbst zu überbrücken, ohne die Tiere in die Innenhaltung umsetzen zu müssen. Unter den Wärmespots soll die Temperatur etwa 40-45°C betragen, nachts kann die Gehegetemperatur auf Raum- bzw. Umgebungstemperatur absinken. Es empfiehlt sich ein Thermostat einzubauen, damit in den kalten Monaten die Nachttemperatur nicht zu weit absinkt.

Was die Größe eines Freilandterrariums betrifft, so sollten für eine kleine Gruppe (1,3 oder 0,3) etwa 20-30 m² zur Verfügung stehen. Ein einzelnes Männchen kann ab 10qm, besser 15 qm, in einem naturnah, reich strukturierten mediterranen Gehege gehalten werden. Die Innenhaltung kann etwas kleiner dimensioniert sein, sollte jedoch pro Tier mindestens 1,5-2 m² betragen. Wichtig ist die sonnige, möglichst nach S-O ausgerichtete Lage des Geheges. So bekommen die Tiere möglichst früh am Tag bereits Sonne/Wärme und können sich so schnell aufwärmen. Die Umrandung sollte mindestens 30cm hoch, 10-20cm in den Boden gehen, glatt und blickdicht sein. Das Gehege sollte eine mediterrane Landschaft nachempfinden: Kalkschotter, Kalksteine, mediterrane Kräuter, Wurzeln, Stämme, Äste, ein Badebecken und nur wenig „Grüner Rasen“. Für weitere Informationen  bezüglich Gestaltung, Bau und Betrieb einer Freilandanlage verweisen wir auf Fachliteratur oder bieten hier Beratungsgespräche und Planungshilfe an.

Pflege- und Versorgung

Täglich sollte die Wasserschale gereinigt und frisch aufgefüllt, ebenso wie Kot (der reichlich abgesetzt wird) entfernt werden. Gegebenenfalls sind verkotete Einrichtungsgegenstände zu reinigen. Bei der Innenhaltung ist sorgfältig darauf zu achten, dass – v.a. Jungtiere – immer leicht feuchte Rückzugsorte, sowie ein flaches, evtl. über eine Rampe (z.B. Steine) leicht zugängliches, flaches Wassergefäß zur Verfügung haben.

Pflanzliche Nahrung darf – solange sie nicht schimmelt oder anderweitig verdorben ist – ruhig ein paar Tage lang im Terrarium/Gehege verbleiben. Manche Schildkröten fressen gerne trockene Blätter und Blüten. Die Tiere sollten mindestens 3x wöchentlich in Augenschein genommen werden, um ihren Allgemeinzustand zu überprüfen und ggf. Krankheitssymptome frühzeitig zu erkennen und einzugreifen. Werden technische Hilfsmittel wie Wärme- oder UV-Strahler, Wärmepannels oder Zeitschaltuhren verwendet, müssen auch diese regelmäßig auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft werden. Stellen Sie vor der Anschaffung sicher, dass eine zuverlässige und fachkundige Person die Schildkröte während Ihres Urlaubs vor Ort im Gehege versorgen kann.

Nahrung und Fütterung

Wichtig für Europäische Landschildkröten ist eine abwechslungsreiche Ernährung, die viele Wildkräuter und Blüten enthält. Die Nahrung sollte einen hohen Anteil an Rohfaser haben und nicht zu feucht sein. Obst und Gemüse dürfen nur selten und in geringen Mengen gefüttert werden. Löwenzahn und Endivie sind eine gute Grundnahrung, die in Zeiten schlechter Verfügbarkeit von Wildkräutern angeboten werden kann. Es können auch Wildkräuter getrocknet werden, die in der Vegetationsperiode gesammelt wurden. Im Feinkosthandel gibt es auch „Italienischen Löwenzahn“ als Nahrungsmittel zu kaufen, der gut als Futter geeignet ist. Heukobs können zusätzlich aufgeweicht und mit dem „Salat“ vermengt werden, um den Rohfasergehalt zu erhöhen.  Den Tieren sollte immer eine Calziumquelle in Form von Sepia Schulp zur Verfügung stehen. Weitere Vitaminzugaben sind nicht nötig.

Auch Heu ist ein gutes Futter, wird jedoch nicht immer angenommen. Da Heu schnell schimmelt, muss auf eine trockene Lagerung geachtet werden und ungefressene Überreste sollten aus dem Gehege entfernt werden. Da es zum Thema Ernährung Europäischer Landschildkröten und Futterpflanzen ganze Bücher gibt, verweisen wir hier für weitere Informationen auf diese.

Ruhezeit

Die Einhaltung biologischer Ruhezeiten ist ein wesentlicher Bestandteil guter Tierhaltung und zwingende Bedingung zum langfristigen Wohlergehen dieser Art! Sollten Sie diese etwa 8-12wöchige Ruhezeit nicht gewährleisten können oder wollen, raten wir von der Anschaffung dieser Tierart ab!

Die Überwinterung sollte bei Temperaturen im Bereich von 3-7°C stattfinden und etwa von Mitte/Ende November bis Anfang März dauern. Da es eine Vielzahl von Dingen bei der Überwinterung zu beachten gilt und zahlreiche Möglichkeiten einer Winterruhe bestehen, kann auch hier wieder nur auf die Fachliteratur verwiesen werden.

Wir haben auch einen kurzen „Hibernationsleitfaden“ erstellt. Gerne bei uns anfordern.

Häufige Erkrankungen und Parasiten

Alle Europäischen Landschildkröten aus der Auffangstation sind fachtierärztlich untersucht und, wenn nötig, behandelt worden. Sie haben eine Quarantäne durchlaufen und sind auf Parasiten getestet. Mit anderen Worten: alle Schildkröten aus der Auffangstation sind klinisch gesund. Sollten dennoch irgendwelche Verhaltensauffälligkeiten bemerkt werden, kontaktieren Sie uns bitte.

Wir haben auch immer wieder „Herpes-positive“ Landschildkröten im Bestand. Für diese ebenfalls klinisch gesunden Tiere suchen wir dringend verantwortungsbewusste Halter, die sich einem solchen Schützling annehmen wollen.

Wie zahlreiche andere – aber nicht alle – Reptilien benötigen Landschildkröten während ihrer Aktivitäts- und Wachstumsphase UVB-Strahlung. Dieses ist essentiell für den Kalzium- und Phosphatstoffwechsel, d.h. für die Fotobiosynthese des Vitamin D3, welches u.a. eine wichtige Rolle für Aufbau und Entwicklung der Knochen spielt. Erhalten die Tiere zu wenig Kalzium und/oder UVB-Licht, werden neben zahlreichen weiteren Symptomen, der Panzer und die Knochen weich, was zu schwerwiegenden Deformationen (siehe Foto) führen kann, die ein Leben lang bleiben und Gesundheit und Wohlergehen massiv beeinträchtigen können. Eine Problematik, die bei der Innen- nicht aber der Freilandhaltung auftritt.

Vor allem junge Landschildkröten neigen dazu, bei einer zu trockenen Haltung unnatürliche Höcker auszubilden. Diese beeinträchtigen die Tiere zwar nicht wesentlich, dennoch sind sie ein deutliches Zeichen einer schlechten Haltung und daher unnötig. Eine Höckerbildung und Deformationen des Panzers sind auch irreversibel. Rachitische (Weiche) Tiere können hingegen durch eine entsprechende Therapie wieder „hart“ werden und ein langes gesundes Leben leben.

Die eingangs erwähnte Beliebtheit und Häufigkeit der Europäischen Landschildkröten trägt bedauerlicherweise auch dazu bei, dass durch weitreichende Vermehrungs- und Handelsaktivitäten, Schildkröten-Herpesviren (es gibt mehrere Typen) weit verbreitet werden. Diese Viren sind für Mensch, Hund und Katze völlig harmlos, für viele Schildkröten(arten) jedoch tödlich. Während die Östliche und Westliche Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni hermanni, T. h. boettgeri) und die Russische Landschildkröte (T. horsfieldii) besonders anfällig sind, zeigen Maurische- und Breitrandschildkröten (T. graeca, T. marginata) oftmals nur geringfügige Symptome, bleiben aber ihr Leben lang Ausscheider der Viren und sind damit eine Infektionsquelle für alle anderen Schildkröten.

Meist sterben diejenigen Tiere an den Viren, deren Haltungsbedingungen nicht optimal sind (Stress durch Artgenossen, zu kleine Gehege, zu hohe Tierdichte, zu kühle Haltung, mangelndes UV-Licht). Auch im Frühjahr, nach der Überwinterung, sterben Tiere, da mit dem ruhezeitlichen „Herunterfahren“ des Stoffwechsels auch die Leistungsfähigkeit des Immunsystems nachlässt. Anders herum können sich auch optimal gehaltene Tiere mit den Viren infizieren, erkranken dann aber u.U. nicht oder zeigen nur leichte Symptome. Verhängnisvollerweise werden jedoch auch diese Schildkröten zu lebenslangen Virenausscheidern, d.h. man sieht ihnen nicht an, dass sie das Virus in sich tragen. Über Bluttest können die Viren jedoch nachgewiesen werden. Aus diesem Grunde ist es höchst sinnvoll – sofern man mehrere Tiere halten möchte –  jedes einzelne von einem auf Reptilien spezialisierten Tierarzt auf Herpes testen (am besten 2 mal im Abstand von 6 Wochen) zu lassen und ERST DANN die Tiere zusammenzusetzen.

Frühe Symptome einer Herpesinfektion können Schnupfen, Speichelfluss, Augenentzündung, Nahrungsverweigerung und/oder schlechtes Allgemeinbefinden sein. Auch ein plötzlicher Tod ist möglich. Schreitet die Erkrankung weiter fort, können übelriechender Durchfall, Atemwegserkrankungen, Zittern, Taumeln oder Apathie feststellbar sein. Der Tod tritt häufig nach 3 Wochen ein. Herpesviren werden über Speichel, Nasensekret, Kot und Sperma ausgeschieden. Die Infektion findet über die Mundhöhle statt. Die Erkrankung ist nicht behandelbar und sehr ansteckend. Die Viren sind leider darüber hinaus sehr überlebensfähig in ihrer Umwelt.

Vermehrung

Von einer Vermehrung dieser Arten raten wir ab, da der Markt übersättigt und eine Abgabe der Tiere in verantwortungsvolle Hände äußerst schwierig ist. Darüber hinaus ist die Aufzucht der Jungtiere zeitaufwändig, erfordert Erfahrung, große Sorgfalt und Zuverlässigkeit.

Es dürfen zudem nur legale Tiere nachgezogen werden. Viele Tiere aus der Auffangstation haben keinen Herkunftsnachweis (z.B. Fundtiere). Diese werden von der Artenschutzbehörde geduldet. Eine Nachzucht ist dann verboten.

Informationen zum Schutzstatus: www.wisia.de

Sonstiges

Europäische Landschildkröten, wie die meisten anderen Schildkrötenarten auch, mögen es nicht besonders gerne hochgehoben zu werden. Das entspricht keinem natürlichen Verhalten und verursacht Stress bei den Tieren. Oft entleeren sie sich dann und „pinkeln“. Hierbei kann man die flüssige durchsichtige Franktion und die weisse „Harnsäure“ Fraktion des Urins unterscheiden.

Früher wurden Mediterrane Landschildkröten einfach aus der Natur entnommen und wurden massenweise im Heimtierhandel angeboten. Die damals sehr günstigen Tiere wurden schnell und unüberlegt angeschafft. Ein hoher Prozentsatz überlebte die tierschutzwidrige Haltung nicht lange. Es gibt aber immer wieder sehr alte Landschildkröten, die auch unter heutzutage nicht mehr tragbaren Haltungsbedingungen lange leben. Diese Tiere sollten aber dennoch in eine zeitgemäße und naturnahe Haltung überführt werden. Für diese Altbestände besteht zudem die Möglichkeit einer Nachmeldung bei den Artenschutzbehörden, wenn sie nachweislich vor 1984 im Bestand waren.

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