Haltungsempfehlungen

Schmuckschildkrötenhaltung

Dieses Informationsblatt ersetzt nicht die Anschaffung und aufmerksame Lektüre von Fachliteratur! Für Neueinsteiger in dieses spannende Hobby empfehlen wir mehrere Bücher, sowohl über die Tierart als auch über Gestaltung und Betrieb von Terrarien, zu lesen!

Das Wesen

Da Schmuckschildkröten eine sehr artenreiche Gruppe von Wasserschildkröten sind, können hier nur allgemeine Informationen gegeben werden. Darüber hinaus verhalten sich die Tiere unterschiedlich, je nachdem, ob sie in einem Zimmer Aqua-Terrarium oder im Gartenteich gehalten werden: je natürlicher die Haltung, desto natürlicher (also oft etwas scheuer) auch das Verhalten. Generell mögen es Schmuckschildkröten nicht sonderlich in der Hand gehalten zu werden. Manche von ihnen können kräftig zubeißen und alle haben scharfe und spitze Krallen, die man bei Befreiungsbewegungen zu spüren bekommt. Sie lernen schnell, dass, wenn sich jemand dem Teich/Aquarium nähert, es oft Futter gibt und kommen eilig herbei. Einige von ihnen gewöhnen sich an, dabei „im Stehen“ schwimmend mit den Vorderbeinen wild auf die Wasseroberfläche zu schlagen. Ihnen beizubringen aus der Hand zu fressen ist nicht schwierig, doch sind manche von ihnen sehr (neu)gierig und würden auch gerne mal einen Finger des Pflegers probieren. Also etwas Vorsicht walten lassen – bzw. lieber größere Futterstücke anbieten -, insbesondere bei Kindern.

Größen

Rot- und Gelbwangenschmuckschildkröten (Trachemys scripta scripta/elegans): Männchen um 20 cm, Weibchen bis 30 cm Panzerlänge.

Cumberlandschmuckschildkröten (Trachemys scripta troostii): Männchen um 18 cm, Weibchen bis 25 cm Panzerlänge.

Florida-Rotbauch-Schmuckschildkröte (Pseudemys nelsoni): Männchen um 25 cm, Weibchen bis 35 cm.

Ouachita-Höckerschildkröte (Graptemys ouachitensis): Männchen 10 bis 14 cm, Weibchen bis 24 cm.

Falsche Landkartenschildkröte (Graptemys pseudogeographica): Männchen 11 bis 15 cm, Weibchen bis 25 cm.

Peninsula-Schmuckschildkröte (Pseudemys peninsularis): Männchen bis 35 cm, Weibchen bis 40 cm

Hieroglyphen-Schmuckschildkröte (Pseydemys concinna): Männchen um 25, Weibchen bis 40cm

Lebenserwartung

Alle Schmuckschildkröten können ein Lebensalter von etwa 15 bis über 60 Jahren erreichen. Meist werden sie ca. 30 -40 Jahre alt.

Herkunft / Lebensraum

Schmuckschildkröten kommen schwerpunktmäßig aus den USA, v.a. östlich des Mississippi. Sie besiedeln meist eine Vielzahl unterschiedlicher Gewässertypen (fließend – stehend, groß – klein, steinig – schlammig) und Überschwemmungslebensräume und bevorzugen i.d.R. zumindest stellenweise dichte (Wasser)Vegetation. Sie halten sich überwiegend im/am Wasser auf und verbringen viel Zeit mit intensiven Sonnenbädern, um ihren Körper auf Vorzugstemperatur zu bringen.

Einzel- oder Gruppenhaltung

Wie bei vielen Schildkrötenarten, sind die männlichen Exemplare der Schmuckschildkröten untereinander zumeist recht unverträglich, zumindest unter (beengten) Aquarienverhältnissen. In einem größeren und gut strukturierten Teich mit Uferzone und geringer Besatzdichte gibt es normalerweise keine/wenig Probleme. Auch wenn diese Schildkröten keine im biologischen Sinne sozialen Lebewesen sind, profitieren sie von einer Haltung in (Klein)Gruppen, da sie hierdurch Abwechslung erfahren. Daher sollte auch bei Aquarienhaltung die Beckengröße derart dimensioniert sein, dass mindestens 2 Tiere darin gehalten werden können. Dies sollten vornehmlich Weibchen sein, da ein Männchen dem Weibchen u.U. ziemlich lästig werden kann. Eine Einzelhaltung ist aber dennoch möglich und kann durch gezieltes „Enrichment“ auch für ein Einzeltier tierschutzkonform angereichert werden.

Vergesellschaftung mit anderen Arten

Eine Vergesellschaftung unterschiedlicher Arten ist möglich, sofern sie untereinander verträglich und von ähnlicher Größe sind und dieselben Ansprüche an ihren Ersatzlebensraum und Klima haben. Es gilt die unterschiedlichen Verhaltensweisen der diversen Arten zu beachten. So verstehen sich Graptemys spec. Männchen untereinander recht gut, während RotwangenSSK Männchen sehr aggressiv gegeneinander vorgehen. Dies gilt oft auch über Artgrenzen hinweg. Wenn unterschiedliche Arten vergesellschaftet sind sollten alle Eier verworfen werden, da eine unerwünschte Hybridisierung zwischen den Arten erfolgen kann.

Aquarium/Teich: Größe & Einrichtung

Je nach Art sollte bei einer Aquarienhaltung die Beckengröße mindestens 1,5 bis 2 m (L) x 60 cm bis 1 m (B) und 60 cm bis 1 m (H) betragen. Der Wasserstand sollte etwa 30 cm, bei guten Schwimmern auch 40 – 60 cm  hoch sein. Ein Landteil, der der Breite des Beckens und einer Tiefe (Länge) von ungefähr 50 cm entspricht, ist ebenso fester Bestandteil, selbst dann, wenn nur Weibchen gehalten werden, weil diese auch unbefruchtete Eier legen (können). Haben sie keinen Landteil mit sandigem Substrat, können sie im schlimmsten Fall eine „Legenot“ entwickeln. Funktionell und platzsparend ist es, wenn die Scheibe für den Landteil diagonal eingeklebt wird, so dass diese – von der Seite gesehen – ein sich nach unten verjüngendes spitzwinkliges Dreieck bildet, welches ca. 1 – 2 cm höher als der Wasserstand ist. Auf diese Weise haben die Tiere einen Landteil, ohne dass ihnen dadurch viel Wasserfläche verloren geht.

Die Ausgestaltung von Wasserschildkröten-Aqua-Terrarien, zumal wenn es sich um große Tiere handelt, sollte v.a. funktional sein: größere Wurzeln und  Äste als Sichtbarrieren, damit sich die Tiere aus dem Weg gehen können, die gleichzeitig auch als Versteckplatz und/oder Überwasser-Sonnenplatz genutzt werden können. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass keine Engstellen vorhanden sind, in denen sich die Tiere verklemmen könnten. Für Jungtiere müssen zahlreiche Strukturen vorhanden sein, über die sie die Wasseroberfläche erreichen können. Wasserpflanzen sollten sehr robust sein, werden jedoch regelmäßig gefressen. An Land überleben Pflanzen meist auch nicht, da sie von den Schildkröten platt gewalzt werden. Eine Möglichkeit, die manchmal funktioniert, sind (ungiftige) Hängepflanzen, die oberhalb des Landteils oder außerhalb des Beckens befestigt werden und ins Terrarium hineinwachsen. Da manche Wasserschildkröten empfindlich auf einen harten Bodengrund reagieren und Panzernekrosen entwickeln, empfiehlt es sich, eine etwa 4 cm starke Sandschicht (z.B. Spielsand aus dem Baumarkt) einzubringen. Größere Steine sollten nicht im Becken verwendet werden (oder z.B. mit Silikon festkleben), da sie von den Tieren gegen die Scheiben geschleudert werden können. Je nachdem wie groß der Abstand vom Landteil zur Oberkante des Aquariums ist, muss eine Abdeckung verwendet werden. Zur Beurteilung stelle man sich die Frage, ob es eine Schildkröte schaffen könnte herauszuklettern, wenn eine andere in einer Ecke des Landteils läge, deren Rücken sie als Ausstiegshilfe benutzen könnte.

Noch besser als eine Aquarienhaltung ist die Freilandhaltung in Teichen. Es gibt mehrere unterschiedliche Typen von Gartenteichen, die alle unterschiedliche Vor- und Nachteile haben, auf die an dieser Stelle nicht eingegangen werden kann. Wichtig ist das Vorhandensein von „Tiefwasserzonen“ (mind. 1,2 m), einer großen und besonnten Schwimmfläche, sowie ein größerer flacher Uferbereich. Der Teich sollte so angelegt werden, dass er im Tageslauf mindestens 5 Std. direktes Sonnenlicht empfängt. Die tieferen Zonen bieten einen kühleren Rückzugsort, die Uferzone dient dem Ausstieg und dem Sonnenbaden. Zusätzlich sollten Strukturen ins Wasser ragen, auf die die Schildkröten klettern und sich sonnen können (Stämme, Bretter, Wurzeln, Steine). Das Ufer kann dicht bewachsen sein und im Wasserkörper sollten sowohl Schwimmblatt-, als auch Unterwasserpflanzen wachsen. Es empfiehlt sich allerdings, die Wasserfläche regelmäßig zu entkrauten, damit ausreichend Schwimmraum erhalten bleibt. Der Teich muss ausbruchsicher umfriedet (Blickdicht, kein Maschendrahtzaun) sein, damit keine Schildkröten entweichen können und evtl. um Katzen, Marder, Füchse fernzuhalten. Hier müssen auch die gesetzlichen Vorgaben bzgl. der „invasiven Arten“ zu denen z.B. die Trachemys scripta gehören beachtet werden.

Dennoch sollten amerikanische Schmuckschildkröten unter unseren klimatischen Bedingungen nicht ganzjährig draußen gehalten werden. Es wird also für eine Übergangszeit von Ende Dezember bis März oder April zusätzlich eine Innenhaltung notwendig. Manche „robusten“ Trachemys und Pseudemys Arten können auch im Teich überwintern. Es muss sichergestellt werden, dass der Teich nicht durch friert (min 1,5m Tiefe). Problematisch sind dann nicht die kalten Winter, sondern die wechselhaften Frühjahr- und Herbstperioden. Deswegen raten wir zur sicheren Überwinterung unter kontrollierten Bedingungen.

An Technik – bei der Zimmeraquarienhaltung –  sind zwei Dinge wesentlich: Licht und Filterung. Es hat sich bewährt, für eine Grundbeleuchtung mit mehreren Vollspektrum-Neonröhren zu sorgen. Bei LEDs sollte man auf für Reptilien geeignete Produkte achten. Darüber hinaus müssen über dem Landteil eine oder mehrere Metalldampflampen hängen, die ebenfalls helles Licht, aber zusätzlich auch Wärme und UVB-Strahlung abgeben, was lebensnotwendig für ein gesundes Wachstum der Schildkröten ist. Die Metalldampflampen benötigen ein Vorschaltgerät und werden von unterschiedlichen Herstellern für die Terraristik hergestellt. Geeignet sind 35 W bis 70W Strahler. Bei sehr großen Becken auch 150W Strahler. Die Anbringungshöhe muss so gewählt sein, dass die Temperatur auf Panzerhöhe der Schildkröte etwa 30 – 35°C beträgt. Über dem Wasserteil könnten ebenfalls derartige Lampen hängen, doch wird hierdurch manchmal das Wachstum von Blaualgen (Cyanobakterien) stark gefördert, was optisch nicht wirklich ansprechend ist.

Schmuckschildkröten – v.a. wenn sie groß sind – fressen viel und produzieren entsprechend große Mengen an Fäkalien. Daher ist ein leistungsstarker Filter ein Muss für eine gute Tierhaltung. Die Filterleistung sollte etwa der dreifachen Wassermenge entsprechen. Zwei Filtertypen haben sich bewährt: a) Innenfilter, b) Außenfilter. Vorteil eines Innenfilters ist, dass keine Schläuche aus dem Aquarium heraus führen und somit auch keine ungewollten Überschwemmung des Wohnzimmers verursachen können. Ihr Nachteil ist, dass sie den Tieren Aquarienvolumen, also Schwimmfläche nehmen. Dennoch ist der als „Hamburger Mattenfilter“ bezeichnete Innenfilter, der im Selbstbau aus zwei Führungsschienen, einer Filtermatte und einer Kreiselpumpe bzw. einem Luftheber installiert wird (auch für weniger handwerklich begabte Menschen schaffbar), sehr geeignet. Er ist einfach zu reinigen und jedes seiner Teile ist unkompliziert zu ersetzen. Außenfilter haben den Vorteil, dass sie im Aquarium keinen Platz wegnehmen und dementsprechend den Nachteil, dass außerhalb vom Aquarium ein Filter (rum)steht, dessen Dichtungen im schlimmsten Fall einmal undicht werden können oder sich die Schläuche lösen. Diese Filterart hat sich aber dennoch in der Aquaristik zigfach bewährt. Die Anschaffungskosten sind allerdings wesentlich höher als für einen Mattenfilter. Ein Filter ersetzt keinen Wasserwechsel, sondern stellt eine gleichbleibend gute Wasserqualität sicher.

Bei einer Teichhaltung mit geringer Besatzdichte erübrigen sich technische Hilfsmittel. Es lohnt sich aber durch Pumpen Sauerstoff ins Wasser einzubringen. Ein kleiner Bachlauf oder andere Möglichkeiten dem Wasser Sauerstoff anzureichern machen immer Sinn, um die Wasserqualität zu verbessern

Pflege- und Versorgung

Die Pflege von Schmuckschildkröten im Aquarium besteht darin, täglich zu überprüfen, ob die Technik funktioniert, die Tiere zu füttern und sie zu begutachten und je nach Besatzdichte, alle paar Wochen, je nach Bedarf, einen Teilwasserwechsel durchzuführen. Bei dieser Gelegenheit wird auch Mulm am Bodengrund abgesaugt. Für den Neueinsteiger den Tipp: Wasseraus- und einlauf nicht  mit Eimern, sondern mit Schläuchen (z.B. Garten- oder Teichschläuche) durchzuführen.

Nahrung und Fütterung

Die Nahrungsaufnahme findet im Wasser statt. Die Fütterung sollte möglichst vielfältig und abwechslungsreich sein. Es bieten sich verschiedene Pelletfutter an, lebende oder getrocknete Mehlwürmer, Heuschrecken, Wachsmottenlarven, Heimchen, gefrostete (und aufgetaute) oder getrocknete Bachflohkrebse (Gammarus), getrocknete Süßwasserschrimps, Muscheln („Meeresfrüchte“) oder Fisch (alles problemlos über das Internet zu beziehen). Bei Letzterem v.a. Sprotten oder Heringe, die im Ganzen oder in Stücke geschnitten komplett (mit Kopf und Innereien) verfüttert werden. Die Futtersorten sollten nicht alle zu einem „Müsli“ vermischt werden, da sich die Tiere dann manchmal angewöhnen, nur die „leckeren“ Bestandteile zu fressen. Bei jeder Fütterung gibt es nur eine Futtersorte. Darüber hinaus fressen einige Schmuckschildkröten, insbesondere erwachsene Tiere, überwiegend pflanzlich, weshalb auch  Wiesenkräuter, Salat, Obst und Gemüse regelmäßig angeboten werden sollte. Für die genauen Ernährungsansprüche der einzelnen Arten  verweisen wir auf die Fachliteratur. Zusätzlich sollte immer ein Schulp (Sepia) verfügbar sein, damit die Tiere ihren Kalziumbedarf decken können. Es sollte so viel gefüttert werden, wie die Schildkröten in 5 Minuten aufgefressen haben (nur größere Futtermittel wie Gemüse länger). Hunde und Katzenfutter schädigt auf Dauer den Organismus und sollte daher nicht angeboten werden.

Wie zahlreiche andere – aber nicht alle – Reptilien benötigen Schmuckschildkröten die o.g. UVB-Strahlung. UVB-Licht ist essentiell für den Kalzium- und Phosphatstoffwechsel, d.h. für die Fotobiosynthese des Vitamin D3, welches u.a. eine wichtige Rolle für Aufbau und Entwicklung der Knochen spielt. Erhalten die Tiere zu wenig Kalzium und/oder UVB-Licht, werden neben zahlreichen weiteren Symptomen, der Panzer und die Knochen weich, was zu schlimmen Deformationen führen kann, die ein Leben lang bleibt. Eine Problematik, die bei der Innen- nicht aber der Freilandhaltung auftritt.

Wer seine Schildkröten „perfekt“ ernähren möchte, kann sich im Internet zum Thema „Schildkrötenpudding“ (den man selbst herstellt) informieren und seinen Tieren einmal wöchentlich diese Delikatesse anbieten (manchmal brauchen sie etwas Zeit, um sich daran zu gewöhnen). Der größte Vorteil dieses Futters besteht darin, dass in diese aus verschiedenen pflanzlichen und tierischen Futterbestandteilen und in Gelatine gebundene Mischung auch ein Kalk-Vitaminpräparat zugefügt werden kann, welches, würde man es über das o.g. Futter streuen, stets vom Wasser abgewaschen würde.

Schmuckschildkröten ab einer Länge von 10 – 12 cm sollten nur noch 3x wöchentlich gefüttert werden, kleinere 5x/Wo. Es gilt: Weniger ist mehr: oft sind Schmuckschildkröten viel zu fett. Lieber weniger füttern als zu viel. Lieber Futtermittel benutzen, die die Tiere noch zerlegen, sich damit beschäftigen müssen, als reines energiereiches direkt abschluckbares Pelletfutter. Lieber mehr pflanzliche Nahrung anbieten, als zu viel Tierisches.

Ruhezeit

Die Einhaltung biologischer Ruhezeiten ist ein wesentlicher Bestandteil guter Tierhaltung und zwingende Bedingung zum langfristigen Wohlergehen dieser Art. Sollten Sie diese Ruhezeit nicht gewährleisten können oder wollen, raten wir von der Anschaffung dieser Tierart/en ab.

Es gibt auch tropische Schmuckschildkrötenarten. Diese müssen dauerhaft im Aquarium bei hohen tropischen Temperaturen gehalten werden. Sie machen keine Ruhezeiten. Allerdings sind diese Arten weitaus seltener zu bekommen und noch aufwendiger zu halten.

Schmuckschildkröten sollte jedes Jahr eine Ruhephase gegeben werden, um langfristig ihre Gesundheit und Vitalität zu erhalten. Dies ist für sie ein natürlicher Prozess. Darüber hinaus ist eine solche Ruheperiode bei vielen Arten die Vorbedingung für eine erfolgreiche Fortpflanzung im Frühjahr. Hierzu werden die Tiere für 2-3 Monate an einen kühlen Ort (z.B. Keller, Schuppen, Balkon) gestellt. Das kann beispielsweise in Kunststoffwannen oder Aquarien geschehen (ggf. abdecken). Es hat sich bewährt, pro Tier eine Hand voll Buchen- oder Eichenlaub ins Wasser zu geben, um das Wachstum von schadhaften Bakterien zu verhindern. Ebenso kann man hierfür das Wasser ansalzen. Die Wasser-Überwinterungstemperatur sollte im Bereich von 8 – 10°C liegen. Ein bewährtes Vorgehen ist es, die Tiere (bei Innenhaltung) im Spätsommer/Frühherbst nach draußen zu bringen. Dort nehmen Tageslänge und Temperatur ganz natürlich kontinuierlich ab und die Schildkröten fahren ihren Stoffwechsel herunter und treten in eine Ruhephase ein (was nicht Bewegungslosigkeit bedeuten muss). In der Regel (je nach Region und Jahr) fallen die Nachttemperaturen bis Ende November nicht bzw. nicht anhaltend unter 8 – 10°C. Wenn es dann kälter wird, werden die Tiere innerhalb einer Woche an wärmere Temperaturen gewöhnt und wieder in die Wohnung geholt. Für sie beginnt das Frühjahr dann im Dezember und dennoch haben sie eine etwa 2 zwei monatige Ruhephase durchlaufen. Alternativ ist auch eine Überwinterung im Kühlschrank oder kühlen Keller möglich.

Eine Überwinterung im Gartenteich kann bei einigen Arten/Individuen funktionieren, doch sind die hiesigen kühlen Jahreszeiten für die nordamerikanischen Schildkröten oft zu wechselhaft und zu lang. Außerdem ist eine Überwinterung im Gartenteich weniger kontrollier- bzw. beeinflussbar als eine an einem sicher frostfreien, kältegeschützten Ort.

Häufige Erkrankungen und Parasiten

Alle Wasserschildkröten aus der Auffangstation sind fachtierärztlich untersucht und, wenn nötig, behandelt worden. Sie haben eine Quarantäne durchlaufen und sind auf Parasiten getestet. Mit anderen Worten: alle Wasserschildkröten aus der Auffangstation sind klinisch gesund. Sollten dennoch irgendwelche Verhaltensauffälligkeiten bemerkt werden, kontaktieren Sie uns bitte.

An gesundheitlichen Risiken ist beispielsweise die Übertragung von Salmonellen möglich, die bei Reptilien zur natürlichen Darmflora gehören. Normalerweise werden hierdurch beim Menschen lediglich kurzzeitig anhaltende Brechdurchfälle verursacht. In seltenen Fällen kann es schwere Krankheitsverläufe geben. Dies betrifft v.a. Kinder unter 2 Jahren, ältere oder immungeschwächte Menschen. Daher empfehlen wir gewissenhafte Händehygiene durch Händewaschen oder Verwendung eines geeigneten Desinfektionsmittels nach Kontakt zu Reptilien.

Vermehrung

Von einer Vermehrung dieser Arten raten wir ausdrücklich ab, da der Markt übersättigt und eine Abgabe der Tiere in verantwortungsvolle Hände äußerst schwierig ist. Rot- und Gelbwangenschildkröten dürfen nach EU-Recht nicht vermehrt werden, da sie als invasive Art gelten und die heimische Flora und Fauna gefährden!

Wir lehnen es ausdrücklich ab, Wildfangtiere zu erwerben, da diese in der Regel stark von Parasiten befallen, durch die zahlreichen Stationen zwischen Fang und Ankunft im Terrarium in schlechtem Allgemeinzustand sind, sich häufig nicht gut an die Terrarienbedingungen gewöhnen und eine Naturentnahme aus Artenschutzgründen abzulehnen ist.

Sonstiges

Die Rotwangenschildkröte wird seit den 1940er Jahren als Haustier vermarktet, seit den 1960er Jahren in Farmen in den USA industriell vermehrt. Mitte der 1970er Jahre wird die Haltung in den USA, aufgrund hunderttausender Salmonelleninfektionen bei Menschen, verboten. Ab Ende der 1970er Jahre werden die Ströme Millionen kleiner grüner Schildkröten nach Mexiko, Europa und Japan gelenkt. Wer erinnert sich nicht daran: im Gartencenter, im Kaufhaus oder Zoogeschäft für 5 DM/Stck. 1994 erlässt die Bundesregierung ein Importverbot für Rotwangenschildkröten. 1998 zieht die EU nach, da viele Tiere ausgesetzt werden und die Gefahr für die Europäische Sumpfschildkröte erkannt wird. Dieses Verbot hat jedoch zur Folge, dass nun zwar keine Rotwangen, dafür aber zahlreiche andere Schmuckschildkröten eingeführt werden. Seit 2017 gelten für Rot- und Gelbwange ein europaweites Verkaufs-, Handels- und Zuchtverbot.  Die Rotwangenschildkröte gehört weltweit zu den 100 invasivsten Arten und ist auf 5 Kontinenten verbreitet. In einem Management- und Maßnahmenplan der EU wird die nichtkommerzielle Weitergabe von Rot- und Gelbwangen aus Auffangstationen oder von Fundtieren gestattet, wenn Vermehrung und Entweichen sicher verhindert werden können.

Generell sind zahlreiche nordamerikanischen Schmuckschildkröten als potenziell invasive Neozooen (gebietsfremde Tierarten, die sich ansiedeln und heimischen Pflanzen und Tieren Schaden zufügen könnten) zu betrachten, weshalb sichergestellt werden muss, dass die Tiere nicht in die Natur entweichen können und natürlich auch dort nicht ausgesetzt werden dürfen! Ein dadurch entstehender Schaden ist manchmal erst Jahrzehnte später sichtbar. Gebietsfremde Tierarten, die sich erst einmal in einem neuen Lebensraum angesiedelt haben, können von dort nicht mehr entfernt werden. Es gibt schon zu viele Beispiele, die die negativen Konsequenzen aufzeigen. Bitte schaffen Sie nicht noch ein Weiteres!

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