„Hinrichtung“ von gesunden Schildkröten auf Behördengeheiß – Dem „Naturschutz“ geopfert oder eine Kostenfrage?

Eine von zahlreichen aufgefundenen Schnappschidlrköten, die in der RAS untergebracht sind

Mitten in Deutschland, wo der Tierschutz im Grundgesetz verankert ist, herrschen anscheinend brachiale Wildwest-Methoden.

Am 01.07.2020 wurden zwei Schnappschildkröten im Landkreis Viersen aus der Obhut eines Sachverständigen geholt, um durch einen Schuss getötet zu werden.

Schnappschildkröten haben einen schlechten Ruf und sind in Deutschland nicht heimisch. Sie werden groß und scheinen unleidig, zusätzlich sind sie auch nicht besonders „hübsch“. In manchen Bundesländern stehen sie auf Gefahrtierlisten, weil sie kraftvoll zubeißen können. Ihr Besitz ist in Deutschland verboten, weil sie Faunen-Verfälscher (Alien Species) sein könnten und man die Gefahr befürchtet, sie könnten sich bei uns vermehren. Für uns als Auffangstation sind sie aufgrund ihres rechtlichen Status eines des kompliziertesten Tiere, da uns die Vermittlung zum größten Teil untersagt wird – obwohl es anerkannte und auch sachkundige Halter gäbe.

Kopfportrait

Im aktuellen Fall gab es wohl einen Bestand der Tiere in freier Wildbahn. In manchen Seen bei Viersen leben einige dieser Reptilien (wie übrigens in vielen Landstrichen Deutschlands); ein anerkannter Sachverständiger fing zwei davon ein und brachte sie in eine legitimierte Auffangstation in Rheinberg, um die Tiere dort dauerhaft unterzubringen. Alles gut? Mitnichten!

Die Jagdbehörde (Schildkröten sind übrigens kein jagdbares Wild), die Untere Naturschutzbehörde und der Garant für den Tierschutz in Deutschland, das Veterinäramt (!), holten die Tiere dort ab, um sie mit einem Schuss zu exekutieren. Dieses Mittel hält man für ihre Artgenossen in den Seen wohl auch für probat.

Eine Rechtsgrundlage fehlt. Weder EU-Recht, noch Bundesrecht geben das her und das Tierschutzgesetz verbietet es sogar eindeutig. Niemand darf ohne vernünftigen Grund einem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Hier sprechen wir vom unnötigen und brutalen Tod. Ein vernünftiger Grund für eine Tötung, legale und triftige Gründe also, lagen auch nicht vor, zumal es ja bereits eine Alternative gab und diese gesichert war.

Schnappschildkröten sind zudem auch keine Schädlinge, was eine Schädlings-Bekämpfung notwendig machen würde und wenn, dann gewiss nicht per Gewehrkugel.

Für die Tötung, insbesondere die Erschießung, eines Tieres, das als problematisch eingestuft wird, sind behördliche Erlaubnisse von hohen Stellen notwendig; solche können jedoch nicht vorliegen, da sie rechtlich nicht zu genehmigen sind, sondern vielmehr verhältnismäßige Maßnahmen gegeben und vorgeschrieben sind. Es kann daher aus unserer Sicht nicht sein, dass eine solche Erlaubnis seitens des Landesamtes oder des Ministeriums vorliegt. Zudem müssten Tötungen durch eine sachkundige Person durchgeführt werden. Kein Jäger ist in Bezug auf Schildkröten bzw. deren Erschießung sachkundig.

Dies kann und darf nicht geduldet und hingenommen oder verschwiegen werden. Wir sind entsetzt über solche Methoden, gesunde Tiere zu entsorgen!

Daher haben wir als Tierschutzverein bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Strafanzeige und Strafantrag gegen den Landrat, die drei Behörden und deren beteiligte Mitarbeiter gestellt bzw. erstattet.

Bei Rückfragen, für O-Töne oder Interviewanfragen melden Sie sich bitte gerne bei  Dr. Markus Baur, markus.baur@reptilienauffangstation.de oder unter der +157 833 67 007

Schnappschildkröten sind sehr interessante und faszinierende Tiere!

Weiterführende Informationen in unserer Strafanzeige:

https://www.reptilienauffangstation.de/wp-content/uploads/2020/07/Strafanzeige-Schnappschildkröten-Lkr-Viersen.pdf

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