„Minister Remmels Gefahrtiergesetz ist der falsche Weg“

giftschlangeIn einer Sitzung des nordrhein-westfälischen Landeskabinetts in der vergangenen Woche hat Umweltminister Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen) einen Gesetzentwurf eingebracht, der die Haltung von Giftschlangen, Krokodilen und verschiedenen anderen Exoten verbieten soll. Bereits im August dieses Jahres hatte die Auffangstation für Reptilien, München e.V. eine Stellungnahme geschrieben, die sich gegen dieses Verbot ausspricht.

„Wir wissen zwar durch die Hundesteuer, in welcher Wohnung welcher Hund vorhanden ist. Aber über die Verbreitung der hochgiftigen Puffotter in NRW können wir nur rätseln“, so Remmel in einer Pressemitteilung seines Ministeriums. Die Reptilienauffangstation hält dagegen: „Ich wage zu bezweifeln, dass ein Verbot auch nur annähernd zielführend ist. Vielmehr drängt es die Halter in den Untergrund“, meint Dr. Markus Baur, Leiter der Auffangstation. „Betrachtet man die Situation in Bayern, wo wir seit Jahren strenge Regelungen haben, so haben diese dem Handel keinen Riegel vorgeschoben. Die Tiere sind auch weiterhin in Nachbarländern und im Internet verfügbar, Kontrollmöglichkeiten fehlen und von Transparenz kann keine Rede sein.“
Auch die tägliche Arbeit in der Reptilienauffangstation spiegelt diese Entwicklung wider: „Noch immer müssen wir mehrmals im Jahr ausrücken, um behördlich konfiszierte Gefahrtiere sicher zu stellen und zu übernehmen. Und auch in Nachlässen von Verstorbenen tauchen immer wieder Tiere auf, von denen die Behörden bis dato nichts gewusst haben. Wie viele Tiere trotz des Verbotes in Bayern also tatsächlich gehalten werden, lässt sich nicht einmal mehr erahnen.“

Um die Haltung von Gefahrtieren deshalb so sicher wie möglich zu gestalten, muss stattdessen eine generelle und bundesweit einheitliche Meldepflicht etabliert werden, die bereits bei der Zucht und beim Handel mit den Tieren beginnt. Zudem fordert die Auffangstation für Reptilien, München e.V. einen flächendeckenden Sachkundenachweis für alle Arten. Baur meint hierzu: „Das häufigste Problem, mit dem wir alltäglich zu tun haben, ist die allgemeine Unwissenheit der Tierhalter – egal, ob es sich um harmlose Bartagamen oder auch nur ein Kaninchen handelt. Engagierte Gefahrtierhalter hingegen sind vergleichsweise gut informiert und machen eher selten Fehler. Indem also Herr Remmel die Sachkunde nur für ‚gefährliche‘ Arten einfordert, erweist er dem Tierschutz für die ‚ungefährlichen‘ Arten einen Bärendienst durch fortbestehende weit verbreitete Unkenntnis über deren Bedürfnisse.“

Die Auffangstation wird sich in dem nun beginnenden Verfahren der Verbandsanhörung vehement dafür einsetzen, dass die Haltung der fragwürdigen Arten nicht de facto verboten wird, sondern dass Halter stattdessen an umsetzbare und bevölkerungsfreundliche Auflagen und Regelungen gebunden werden. Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen fordern wir in diesem Zusammenhang zu überlegtem Handeln auf: „Es gibt gute Modelle, die sich in der Praxis deutlich besser bewährt haben als das Haltungsverbot. Wir stehen dem Minister hierzu gerne beratend zur Verfügung“, meint Baur abschließend.

 

 

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