Nachtschicht in der Reptilienauffangstation München

Nachtschicht in der Reptilienauffangstation München

Wenn irgendwo in Europa Tierschutzfälle von Behörden bearbeitet werden, heißt das noch lange nicht, dass die Tiere vor Ort untergebracht werden können. Hier spielen Netzwerke und Kooperationen eine sehr wichtige Rolle.

So auch im vorliegenden Fall: In Luxemburg musste am 13.12. am Morgen ein Internethändler wegen erheblicher Tierschutzverstöße überprüft werden, gegen den diverse Anzeigen vorliegen. Der Mann handelte vornehmlich mit insbesondere sehr giftigen, aber auch einigen wenigen ungefährlichen Reptilien, Insekten und Spinnentieren. Vor Ort fanden die Behördenmitarbeiter und die Mitarbeiter des Centre de Soins pour la Faune Sauvage Parc Le’h desolate Zustände vor. Keines der Tiere hatte Wasser, die Behälter waren großteils mit Kot und Urin verdreckt, zu klein und nicht im Ansatz art- und verhaltensgerecht. Viele der Tiere waren nie aus ihren Transportverpackungen umgesetzt, sondern einfach darin belassen worden – leider nicht selten bei Internethändlern. Es blieb der Behörde somit keine Wahl, es musste der gesamte Bestand aufgelöst, weggenommen und untergebracht werden. Für ungiftige Arten gab es Platz im Centre de Soins pour la Faune Sauvage Parc Le’h vor Ort, aber wohin mit elf Kobras, sieben Vipern, darunter vier Puffottern und 105 teils sehr giftigen Skorpionen? Für sie bestanden in Luxemburg keine Unterbringungsmöglichkeiten.

Analog zur allgemein üblichen Situation, auch bei illegalen Welpentransporten auf de n Straßen oder ähnlichen Großaktionen, z. B. Fällen von Animal Hoarding, werden hier die Verantwortlichkeiten rasch an Tierheime und Auffangstationen abgegeben, denn der Staat sorgt zwar für geltende Gesetze und deren direkten Vollzug, das Problem der Unterbringung liegt jedoch in mehr oder weniger privaten Händen, bei Tierschutzorganisationen. Und die sind meist gut vernetzt und kooperieren oft sehr eng. Anders wäre keiner dieser Fälle zum Wohl der Tiere zu managen.

So kamen noch am selben, jedoch sehr späten Abend und nach vielstündiger Autobahnfahrt 123 Gifttiere in der Reptilienauffangstation in München an, wurden noch in der Nacht gesichtet, untersucht, behandelt, eingesetzt und versorgt.

Hier zeigen sich einerseits die Grenzen behördlicher und staatlicher Möglichkeiten und der Nutzen von bestmöglicher Vernetzung im Tierschutz, aber auch und dies ganz vordringlich, die dringende Notwendigkeit spezialisierter Einrichtungen, wie der Auffangstation in München und deren international hoch geschätzter Expertise.