Neun Würgeschlangen vor Gut Streiflach bei Germering ausgesetzt

Dieser Anblick bot sich den Tierpflegern des Gut Streiflach bei ihrem heutigen Dienstantritt.
(Foto: © Gewerkschaft für Tiere e.V.)

Die Tierpfleger des Tierschutz-Gnadenhofes „Gut Streiflach“ bei Germering staunten heute Morgen nicht schlecht, als sie auf dem Weg zur Arbeit gegen 6.45 Uhr vor ihrer Einfahrt sieben Kartons vorfanden. Den Inhalt kündigte bereits ein Warnhinweis auf dem Deckel an: „Achtung WürgeSCHLANGEN!!!“. Die Tiere wurden nun in die Auffangstation für Reptilien, München e.V. gebracht, wo sie derzeit von Fachtierärzten eingehend untersucht und behandelt werden.

„Hier hat offensichtlich ein sehr verantwortungsloser Sammler seinen gesamten Tierbestandes entsorgt“, meint Dr. Markus Baur, der Leiter der Reptilienauffangstation. Die Kisten enthielten einen Tigerpython, einen Teppichpython, zwei Königspythons sowie fünf Abgottschlangen.

„Die Tiere sind größtenteils stark unterernährt“, beurteilt Baur den Gesundheitszustand der Schlangen, „Ob weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen vorliegen, können wir zwar erst in einigen Tagen zuverlässig sagen. Allerdings ist schon jetzt klar, dass es sich bei dem Fall um einen massiven Verstoß gegen das Tierschutzgesetz handelt. Entsprechend werden wir Strafanzeige gegen Unbekannt erstatten.“

ausgesetzte-wuergeschlangen02

Fachtierärzte der Reptilienauffangstation versorgen den Albino-Tigerpython.

Über die Motive des Unbekannten kann nur spekuliert werden. „Der gesamte Tierbestand war akkurat verpackt und beschriftet, inklusive Artangabe und Alter des jeweiligen Tieres. Der schlechte Gesamteindruck der Tiere legt jedoch nahe, dass sich der Halter die Pflege der Exoten schlicht nicht mehr leisten konnte.“

Ersten Medienberichten zufolge, wonach die Tiere einen Wert von rund 30.000 Euro haben sollen, widerspricht Markus Baur: „Es handelt sich hierbei um keine seltenen Arten oder Züchtungen. Wer möchte, kann zum Beispiel einen Königspython wie diesen bereits ab rund 20 Euro erwerben. An unserer Einstellung zu den Tieren ändert das allerdings rein gar nichts, sie werden bei uns selbstverständlich genau die gleiche medizinische Versorgung und liebevolle Betreuung erhalten, wie jedes andere Tier auch.“ Lediglich die Kostenübernahme für die Versorgung stimmt Baur nachdenklich: „Die Kosten müsste normalerweise der Verursacher tragen. Da der in diesem Fall jedoch unbekannt ist und sich bei offenkundig ausgesetzten Tieren weder die Gemeinde noch der Freistaat finanziell beteiligen, wird wohl unser Verein wieder einmal auf den Rechnungen sitzen bleiben.“

 

 

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu. Datenschutzerklärung