RTL dreht Dschungelcamp erstmals in Deutschland – wo bleibt die Einhaltung des Tierschutzgesetzes?

Tiere werden massivst gestresst, eine Wasseragame treibt leblos an der Wasseroberfläche.

Alle Jahre wieder heißt es im Januar auf dem Privatsender RTL – „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“. Das sogenannte Dschungelcamp erfreut sich auch nach langen Jahren immer noch großer Beliebtheit beim Zuschauer. Genauso lange wie die Sendung, die auf Niedrig-Niveau unterhalten möchte, gibt es auch Diskussionen über den Umgang mit lebenden Tieren in der Sendung. In sogenannten Dschungelprüfungen werden Reptilien, Vögel, Spinnentiere, Avertebraten und auch Säugetiere als Staffage, Dekoration oder „Angstmacher“ benutzt, um Zuschauer und Teilnehmer gleichermaßen zu ekeln, zu entsetzen oder auch zu ängstigen.

Natürlich sind diejenigen, die darunter leiden, die Tiere, und nicht die zum Teil hochbezahlten „Prominenten“, die freiwillig an solchen Spielen teilnehmen.

Jedes Jahr seit Beginn der Sendung im Jahre 2004 wurden die Mitarbeiter der Auffangstation für Reptilien von besorgten Tierliebhabern und –besitzern gebeten, doch etwas gegen diese unsagbaren Missstände zu unternehmen. Und jedes Jahr mussten wir entgegnen, dass wir aufgrund des Drehortes Australien und dem dort völlig anders gehandhabten Tierschutzes nichts unternehmen könnten. Ein fast unerträglicher Zustand, jedoch waren uns die Hände gebunden.
2021 wird diese „Unterhaltungssendung“ pandemiebedingt allerdings in einem Studio in Deutschland gedreht. Und trotzdem ist der Missbrauch der Tiere weiterhin auf hohem Niveau sichtbar.  Wir fragen ganz offen: wo ist das Veterinäramt, wo sind die Zuständigen zur Einhaltung des Tierschutzgesetzes bei den Aufzeichnungen für diese Sendung?

Schon in der ersten Folge von letzter Woche konnte man erkennen, dass in einer der Prüfungen verschiedene Tiere unter massiven Stress gesetzt wurden – darunter Kaimane, kleine Würgeschlangen und Wasseragamen. Kurz gesagt wurden die Tiere in wassergefüllte Behälter gesetzt, und die „Prominenten“ mussten in selbige steigen um Fingerübungen zu absolvieren. Für die Reptilien gab es keinerlei Möglichkeit sich festzuhalten, zu verstecken, oder gar das Wasser zu verlassen. Die hektischen Bewegungen und Geschrei der Teilnehmer, die Beengtheit der Behälter, keine Fluchtmöglichkeit…all das stresst die Tiere sichtlich. Bei sehr genauem Hinsehen fällt auf, dass nach einer ganzen Weile, in denen besonders die Agamen hektisch zu fliehen versuchen, eines der Tiere reglos auf dem Rücken liegend auf der Wasseroberfläche treibt. Im restlichen Zusammenschnitt des „Spiels“ ist die Agame dann nicht mehr zu sehen (unter diesem offiziellen RTL-Link gut zu erkennen, Minute 3:14: https://www.youtube.com/watch?v=p8LqDRcfZf0).

Wasseragamen sind grundsätzlich scheue Tiere. Bei Gefahr flüchten sie oft panikartig; nicht selten wird ihnen schon in der Terrarienhaltung dieses Verhalten zum Verhängnis und führt zu potentiell schweren Verletzungen. Auch deswegen sind diese Tiere nur für sachkundige Halter mit Erfahrung zur Haltung empfohlen.

Der kurze Eindruck, der sich hier darstellt, deutet entweder darauf hin, dass das Tier in eine regelrechte Schockstarre verfallen ist und kurz vor dem Ertrinken steht – oder dass es tatsächlich aufgrund des Stresses gestorben ist. Beides ist absolut nicht hinnehmbar! Tiere dürfen laut §17 des Tierschutzgesetzes nicht zur Belustigung von Menschen zur Schau gestellt werden, wenn diese Zurschaustellung Leiden, Schmerzen oder Schäden für das Tier bedeutet. Stress auf einem solch hohen Level, wie wir ihn hier sehen, zählt definitiv zum großen Feld des „Leidens“. Vom Tod eines Tieres, der billigend in Kauf genommen wird, einmal ganz abgesehen.

Zusätzlich ist es absolut unverständlich, warum kein Amtsveterinär bei der Produktion solcher Sendungen eingebunden wird. Sollte der Sender jedoch tatsächlich einen Kollegen eingebunden haben – warum ist dieser nicht eingeschritten? Und zwar schon bei der Auswahl der Tiere! Nicht erst, wenn eines reglos im Wasser treibt.

Wir sind entsetzt, dass die Nutzung von Tieren für Unterhaltungssendungen dieser Art auch in Deutschland scheinbar geduldet wird – wir waren bisher davon überzeugt, dass dies Dank unseres Tierschutzgesetzes nicht mehr in solchen Ausmaßen möglich ist.

Aufgrund der Bilder haben wir uns mit anderen Tierschutzorganisationen koordiniert und erwägen nun die zeitnahe Einleitung rechtlicher Schritte.

Bei Rückfragen, für O-Töne oder Foto- und Filmaufnahmen melden Sie sich bitte gerne bei  presse@reptilienauffangstation.de oder unter der +49 177 632 6032 bzw. +49 163 5477 141.

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