Tiere wie Müll auf Tierheim-Toilette entsorgt

th-fundkoepys_socialAm 24. November gegen 17:15 Uhr gellt ein Schrei über das Gelände des Münchener Tierheimes. Eine Mitarbeiterin hatte eine Tasche geöffnet, die auf der Toilette des Tierheimes, die für Besucher frei zugänglich ist, abgestellt worden war. Heraus schauten vier Schlangenköpfe, Gottlob „nur“ Königspythons.

Der Schreck der Frau ist nachvollziehbar, denn wer rechnet schon damit, Schlangen auf einer Toilette zu finden?! Für unerfahrene Menschen, die den Umgang mit den Tieren nicht gewohnt sind und die Arten nicht auf den ersten Blick erkennen können, ist diese Situation der blanke Horror, auch wenn es sich um harmlose Tiere handeln mag. Ebenfalls Horror ist die Situation für die harmlosen, aber subtropischen Tiere, die sich bei winterlicher Witterung in einer Toilette wiederfinden, weil ihr gewissenloser Besitzer sie weggeworfen hat. Die Umgebung, insbesondere die Temperaturen sind gesundheitsschädlich bis lebensgefährdend für die Tiere, die keinerlei Chance haben, sich dieser Situation zu entziehen. Wären die Tiere nicht entdeckt worden, am darauf folgenden Tag hätte das ihren sicheren Tod bedeutet.

Warum aber geschieht so etwas, zumal auf einem Tierheimgelände? Tiere werden als Statussymbole gekauft, im vorliegenden Fall sogar als teure Modetiere, so genannte Farbmorphen. Nach wie vor erzielen Morphen, also von der Wildform abweichende Farbmutationen teils hohe Preise, aber nur so lange, wie der Markt mit dem jeweils neuesten Farbschlag nicht “gesättigt” ist, danach verfallen die Preise – und zwar ins Bodenlose.
Unüberlegt angeschaffte Tiere, die nicht mehr gewollt werden, sind keine Seltenheit und hier unterscheiden sich Reptilien keineswegs von ungeliebten Kaninchen, störenden Katzen oder lästig gewordenen Stubenvögeln. Der Halter mag anfangs noch versuchen, sie möglichst gewinnbringend abzugeben, findet er aber nicht zeitnah einen Übernehmer, greift er zu harten Bandagen und setzt die Tiere aus. Dass hier sogar der Weg ins Tierheim gewählt wurde, ist umso zynischer. Es wäre ein leichtes gewesen, die Tiere dort abzugeben oder sich an die Reptilienauffangstation verweisen zu lassen. Doch die Aufnahmegebühr und der Gesichtsverlust, sich womöglich fragen lassen zu müssen, ob man nicht im Vorfeld hätte darüber nachdenken können, ob man die Tiere halten kann und möchte, haben anscheinend ausgereicht, die Tiere einfach stehen zu lassen, nur wenige Meter von der sicheren Rettung und liebevollen Pflege entfernt.

Ein Tier auszusetzen oder es zurückzulassen stellt eine Straftat dar, jedoch ist dies nur ein Papiertiger geltenden Rechts, denn wenn man nicht auf frischer Tat ertappt wird, passiert einem nichts. Ermittlungen der Polizei laufen ins Leere, Anzeigen können nicht erstattet werden und Verantwortliche können nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Ausgesetzte Tiere gelten als herrenlos und, da kein Vorbesitzer zu ermitteln ist, sind auch keine Behörden für sie de facto zuständig. Tierheime und auch die Auffangstation bleiben auf den Tieren und den anfallenden Kosten sitzen, niemand ist zuständig. Umso schlimmer ist es, dass hier wieder einmal ein verantwortungsloser „Tierhalter“ sich um seine Verantwortung gedrückt hat und nebenbei einem unbeteiligten Menschen einen großen Schrecken zufügte, eindeutig eine erhebliche Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung!
Die Auffangstation wird hier Strafanzeige erstatten und hofft auf die Mithilfe der Kolleginnen und Kollegen des Tierheimes und mögliche Zeugen unter den Tierheimbesuchern.