Tierische Fracht: Immer mehr Exoten werden in illegalen Tiertransporten aufgegriffen

Das kleine Lisztäffchen ist grade der Mutter entwöhnt.

Mitten in der Nacht, bevorzugt in den frühen Morgenstunden, klingeln die Diensthandys in Tierheimen, beim Deutschen Tierschutzbund und in Auffangstationen Sturm: Es wurden wieder illegale Tiertransporteure aufgegriffen, vom Zoll oder der Bundespolizei, entlang der bayerisch-tschechischen Grenze oder durch Schleierfahnder im bereits deutschen Hinterland.

Früher war hier meist mit viel zu jungen, oft genug kranken, immer illegal transportierten, ungeimpften Hundewelpen oder Kätzchen zu rechnen. Solche illegalen Transporte aus dem Osten oder Südosten der EU kommen mit gefälschten Papieren und gehen meist in die Beneluxstaaten oder sogar bis nach Spanien, wo die illegalen Tiere verkauft werden sollen. Auch bei uns ist illegaler Welpenhandel leider fast tägliches Ärgernis geworden. Die grenznahen Tierheime sind sehr oft am Limit dessen, was sie aufnehmen und leisten können.

Doch mittlerweile werden auch Exotentransporte immer häufiger. Bereits vor gut drei Jahren wurde ein Kleinlaster mit Hunderten von Vögeln gestoppt, der nach Spanien sollte – befiederte Hochzeitsgeschenke. Nicht selten sind Exoten als „Beifang“ zu verzeichnen, wie 20 Pantherschildkröten unter Hundewelpen oder ein Transport mit Nagetieren, vor allem Ratten und Mäusen und über 100 Mexikanischen Querzahnmolchen oder Axolotls. Gar nicht selten ist Wasser- und Ziergeflügel betroffen, von der Hausente über Gänse bis zu Schwänen.

Am 13. Mai 2019 erreichte uns der Notruf vom Grenzübergang Waidhaus, wo ein Transport aufgegriffen worden war, der neben Gänsen und Schwänen gut 200 Zier- und Singvögel, einen Elstertoko, Glanzstare, afrikanische Schwarzbrust-Sandflughühner, ein gerade der Mutter entwöhntes, streng geschütztes Lisztäffchen (ohne Papiere) und drei Weißwedelhirsche sowie 60 Tauben enthielt. Die mitgeführten Hundewelpen waren als Hörnchen deklariert, die jüngsten Tiere noch nicht der Muttermilch entwöhnt und höchstens vier Wochen alt. Viele der Tiere waren für den Transport unzureichend untergebracht und geschützt, die Sandflughühner verletzt, das viel zu junge Äffchen völlig verängstigt.

In der Regel koordiniert der Landesverband Bayern des Deutschen Tierschutzbundes, namentlich Herr Andreas Brucker, solche Fälle. Er wird angefordert, fährt umgehend den Ort des Geschehens an und berät Polizei und Veterinärbehörden. Bei Exoten wird die Reptilienauffangstation sofort hinzugezogen. Arten werden bestimmt, und parallel Plätze in Tierheimen und Auffangstationen abgefragt, um die Tiere so zeitnah als irgend möglich aufzunehmen und unterzubringen. Meist ist eine Quarantäne notwendig, oft genug intensivmedizinische Betreuung. Die Transporteure kommen meist mit dem Schrecken davon. Mafiaähnlich organisierte Züchter, Händler und Kunden bleiben meist ungeschoren und die rechtlichen Möglichkeiten werden nur selten ausgeschöpft.

Es ist zweifelsfrei gut, dass solche Transporte gestoppt und die leidenden Tiere beschlagnahmt und im Wortsinn gerettet werden. Allerdings ist es nicht gut, dass es nie genug Unterbringungsmöglichkeiten gibt in einem Bundesland, das Grenzland ist und in einer EU, in der Staaten Mitglied sind, die die Machenschaften von Massenzüchtern unter erbärmlichsten Bedingungen tolerieren. Mafiöse Tierschiebereien werden geduldet und Tiere illegal in EU-Staaten geschafft, in denen ihre Haltung qua Positivlisten illegal ist. Frei nach dem Prinzip wo kein Kläger, da kein Richter, können illegal eingeschmuggelte Tiere ohne Behördenkenntnis dann eben oft doch gehalten werden.

Am Ende müssen wir Tierheime und Auffangstation(en) immer das schier unmögliche schaffen: Tiere umsetzen, Räume und Gehege zur Verfügung stellen, die Logistik planen und umgehend und oft „aus dem Nichts heraus“ geeignete und gute Plätze für die Tiere schaffen. Nicht selten werden wir zudem noch als Gutachter herangezogen um Papiere zu überprüfen, Tiere zuzuordnen, Kennzeichen abzulesen, sofern vorhanden, den Schutzstatus der Tiere zu ermitteln, Transportfähigkeit zu beurteilen, die Behörden zu beraten.

Nach wie vor erledigen wir diese Arbeit – zum Wohl der betroffenen Tiere – gerne, jedoch muss auf den beklagenswerten Missstand hingewiesen werden, dass Unterbringungen nicht per se vorhanden sind, sondern von uns bereitgestellt und improvisiert werden müssen.

Aus diesem Grund haben die Auffangstation für Reptilien und der Landesverband Bayern des Deutschen Tierschutzbunds begonnen, die Initiative Exoten-Hotspot ins Leben zu rufen, um den immer häufiger werdenden illegal geschmuggelten Exoten gerecht werden zu können. Ein klar strukturiertes Netzwerk beteiligter Tierheime und Auffangstationen mit Spezialisierung auf Unterbringung der verschiedenen Tierarten soll hier schnell verfügbare und zugängliche Kapazitäten schaffen. Einem Ernstfall wie dem beschriebenen könnte dann mit wenigen Telefonanrufen effektiv und professionell begegnet werden. Zum Wohl der Tiere und aller Retter und Helfer.