Auffangstation übernimmt elf Giftschlangen in ihre Obhut

Kupferkopf_thumbEin Unbekannter hat am Wochenende elf giftige Kupferköpfe vor einer Zoohandlung im sächsischen Hoyerswerda ausgesetzt. Die Auffangstation für Reptilien, München e.V. hat die ursprünglich aus Nordamerika stammenden Giftschlangen nun in ihre Obhut übernommen.

Dr. Markus Baur, Leiter der Auffangstation, ist schockiert über die Verantwortungslosigkeit des Unbekannten: „Man möchte sich nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn nicht ein erfahrener Mitarbeiter des Zoofachgeschäfts, sondern ahnungslose Kinder das Paket geöffnet hätten.“ Während in Bayern und sieben weiteren Bundesländern die Haltung von Giftschlangen strikt geregelt oder gar verboten ist, können diese Tiere in den anderen acht Bundesländern, darunter auch in Sachsen, von Jedermann frei erworben und gehalten werden. So geraten giftige Schlangen, wie zum Beispiel die Kupferköpfe aus Hoyerswerda, auch in die Hände von Laien. Oft nicht sachkundig und überfordert mit der Haltung kommt es – wenn auch nur sehr selten – im schlimmsten Fall zu Unfällen, wie vor einigen Wochen in Nordrhein-Westfalen. Hier wurde ein Mann von einer hochgiftigen, aus Afrika stammenden Puffotter gebissen.

Der Fall in Sachsen ist aber noch viel schwerwiegender. Hier wurden die Tiere, die lediglich in einem Pappkarton verpackt waren, auf offener Straße vor einer Zoohandlung abgestellt. Damit hat der Halter nicht nur gegen das Deutsche Tierschutzgesetz verstoßen, sondern auch das Leben und die Gesundheit vieler Unbeteiligter in Gefahr gebracht.
„Bereits seit Jahren fordern wir eine bundesweit einheitliche Regelung“, meint Markus Baur dazu. „Die Haltung von Gefahrtieren sollte unserer Ansicht nach zwar nicht verboten werden, die Halter sollten jedoch ihre Erfahrung und ihr Wissen durch einen Sachkundenachweis belegen und behördliche Kontrollen über sich ergehen lassen müssen. Nur so kann sicher gestellt werden, dass potentiell gefährliche Tiere nicht in die falschen Hände geraten.“

 

Nachtrag vom 06. August 2014:

Nachdem wir unseren Pressetext zu dem Vorfall veröffentlicht hatten, hakte ein Journalist bei der oben angesprochenen Zoohandlung genauer nach. Dabei stellte er einige Unstimmigkeiten in den Aussagen der Mitarbeiter fest. So wurden die Tiere vermutlich gar nicht direkt vor dem Geschäft abgestellt, sondern befanden sich bereits seit längerer Zeit in der Obhut der Zoohandlung. Der Mitarbeiter, der unserer Tierärztin die Schlangen übergeben hatte, befindet sich derzeit im Urlaub und konnte deshalb zu dem Vorfall noch nicht befragt werden. Für uns ist die unklare Herkunft der Tiere umso ärgerlicher, da wir nun die Kosten für die medizinische Versorgung der Schlangen selbst aufbringen müssen – zwei der Tiere wurden bereits auf verschiedene Erkrankungen positiv getestet.

 

 

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