Zwölf Kilogramm Spornschildkröte in Gleisbett aufgefunden

spornschildkroete2_thumbGestern Abend gegen 22.00 Uhr erhielt die diensthabende Tierärztin der Auffangstation für Reptilien, München e.V. einen eher ungewöhnlichen Anruf. Demnach hatte ein Zugführer der Münchner Bahnlinie S2 bei Schwabhausen eine riesige Schildkröte im Gleisbett gesichtet. Beamte der Bundespolizei waren daraufhin ausgerückt, um das Tier einzufangen und schließlich der Reptilienauffangstation zu übergeben.

Direkt nach Erhalt des Anrufes machte sich unser Notdienst auf den Weg zur Polizeiwache am Münchner Hauptbahnhof, wo das Tier bis zu unserer Ankunft in einer Ausnüchterungszelle verwahrt wurde. Schnell identifizierten unsere Mitarbeiter das Reptil als eine zwölf Kilogramm schwere und fast 50cm lange männliche Spornschildkröte. Auch für die Polizeibeamten war dies ein eher seltener Vorfall: Sie hatten dem Tier inzwischen scherzhaft den Namen „Ronny“ gegeben.

Ronny erhielt sofort nach seiner Ankunft in der Auffangstation eine tiermedizinische Erstuntersuchung. Dabei konnte nichts Auffälliges festgestellt werden, der Schildkröte geht es den Umständen entsprechend sehr gut.

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Spornschildkröte „Ronny“ in der Ausnüchterungszelle der Bundespolizei.

„Es kann sich hierbei nur um ein ausgesetztes oder entlaufenes Heimtier handeln“, kommentiert Stationsleiter Dr. Markus Baur den Fall, „Spornschildkröten sind nicht in Deutschland, sondern ausschließlich in der afrikanischen Sahelzone beheimatet. In einem nicht ausreichend gesicherten Freigehege kann es leicht mal passieren, dass die sehr grabefreudigen Tiere ihrem Halter entlaufen.“

Ronny wird nun in der Auffangstation noch einige Zeit unter tiermedizinischer Beobachtung stehen, bevor das Tier nach einer Verwahrfrist von insgesamt 28 Tagen schließlich zur Vermittlung freigegeben werden könnte. Da insbesondere männliche Spornschildkröten jedoch bis zu 100 Kilogramm schwer werden können und auch sonst sehr hohe Haltungsansprüche haben, stehen die Vermittlungschancen für Ronny eher schlecht. Voraussichtlich wird er einer der zahlreichen Langzeitgäste in der Auffangstation werden, die dem gemeinnützigen Verein hohe Kosten verursachen.
Sollte es sich um ein entlaufenes Tier handeln, kann sich der Besitzer mit den entsprechenden Herkunftsnachweisen ab sofort bei der Auffangstation für Reptilien, München e.V. melden.

 

 

Update vom 29.04.2015:
Inzwischen hat sich die Besitzerin des Tieres bei uns gemeldet und „Ronny“, der in Wirklichkeit „Hannibal“ heißt, heute morgen bei uns abgeholt. Wie es scheint, hat er sich in seiner Freianlage durch eine Lücke im Zaun gedrängt und hat anschließend die Nachbarschaft erkundet. Die Besitzerin war sehr glücklich und erleichert, dass dem Tier nichts passiert ist und sie ihn so schnell bei uns abholen konnte.

 

 

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