CARESHEET

KÖHLERSCHILDKRÖTEN (Chelonoidis carbonarius)

Dieses Informationsblatt ersetzt nicht die Anschaffung und aufmerksame Lektüre von Fachliteratur! Für Neueinsteiger in dieses spannende Hobby empfehlen wir mehrere Bücher, sowohl über die Tierart als auch über Gestaltung und Betrieb von Terrarien, zu lesen!

Wesen

Die Köhlerschildkröte ist eine vergleichsweise ruhige, neugierige und gut beobachtbare, tagaktive tropische Landschildkrötenart. Sie gilt als weniger scheu als viele mediterrane Arten und zeigt häufig ein ausgeprägtes Erkundungsverhalten. Trotz ihres oft „freundlichen“ Erscheinungsbildes handelt es sich um ein Wildtier mit artspezifischen Bedürfnissen.

Köhlerschildkröten sind nicht winterhart und daher für eine ganzjährige Freilandhaltung in Mitteleuropa ungeeignet. Die Haltung ist anspruchsvoll, da ganzjährig warme Temperaturen, eine erhöhte Luftfeuchtigkeit sowie ausreichend Bewegungsraum erforderlich sind. Auch diese Art ist nicht für Kinder und nicht für eine rein dekorative Haltung geeignet.

Lebenserwartung

Köhlerschildkröten können ein Lebensalter von 40–60 Jahren, teilweise auch darüber hinaus erreichen.

Größe / Herkunft / Lebensraum

Die Köhlerschildkröte stammt aus Mittel- und Südamerika. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Panama über Kolumbien, Venezuela und die Guayanas bis nach Brasilien, Bolivien und Paraguay.

Sie bewohnt feucht-warme tropische und subtropische Savannen, lichte Wälder, Waldränder und saisonal überschwemmte Gebiete. Anders als viele trockene Lebensräume bevorzugende Landschildkröten hält sich diese Art häufig in halbschattigen, strukturreichen Arealen mit höherer Luftfeuchtigkeit auf und badet gerne ausgiebig.

Größe:

  • Panzerlänge meist 30–40 cm, selten bis ca. 45 cm
  • Gewicht ca. 8–15 kg

Einzel- oder Gruppenhaltung?

Eine Einzelhaltung ist möglich, entspricht jedoch nicht zwingend der natürlichen Lebensweise. Weibchen können in ausreichend großen und gut strukturierten Gehegen häufig gemeinsam gehalten werden. Männchen können untereinander sowie gegenüber Weibchen sehr aufdringlich werden und sollten daher entweder einzeln oder in großzügigen Gruppen mit deutlichem Weibchenüberschuss in großen, stark strukturierten Anlagen gehalten werden.

Wie bei allen Schildkröten stehen die Gehegegröße und Strukturierung in direktem Zusammenhang mit der Verträglichkeit der Tiere. Tiere müssen bei Anzeichen von Stress, Verletzungen oder Nahrungsverweigerung getrennt werden.

Vergesellschaftung mit anderen Arten

Eine Vergesellschaftung mit anderen tropischen Landschildkröten ähnlicher Größe und ähnlicher Haltungsansprüche ist grundsätzlich möglich, sollte jedoch nur nach sorgfältiger Quarantäne und unter ständiger Beobachtung erfolgen. Unterschiedliche Arten dürfen nicht gemeinsam gehalten werden, wenn die Gefahr der Hybridisierung besteht oder sich die klimatischen Ansprüche deutlich unterscheiden.

Gehege: Größe & Einrichtung

Köhlerschildkröten benötigen großzügige, ganzjährig warme Anlagen.
Für ein adultes Tier sollten mindestens 15–20 m², für Gruppen entsprechend mehr, zur Verfügung stehen. In Mitteleuropa ist eine Außenhaltung nur im Hochsommer möglich und auch dann nur bei stabil warmem Wetter, bevorzugt in Kombination mit einem Gewächshaus oder Frühbeet. Auch die Kombination aus Freilandhaltung und einem immer zugänglichen Innenraumterrarium hat sich gut bewährt

Der Hauptaufenthalt erfolgt in einem großen Innengehege oder beheizbaren Gewächshaus mit Temperaturen von 26–30 °C und lokalen Sonnenplätzen von 35–40 °C. Nachts sollte die Temperatur nicht unter 22–24 °C absinken.

Die Luftfeuchtigkeit sollte 60–80 % betragen. Der Bodengrund muss grabfähig und leicht feucht sein (z. B. Erde-Sand-Laub-Gemisch). Verstecke, Wurzeln, Pflanzen, Rindenstücke und ein flaches Badegefäß sind zwingend erforderlich.

Eine starke UVB-Beleuchtung ist essenziell. Jedoch benötigen die Tiere auch beschattete, eher dämmerige Areale zum Ruhen.

Pflege- und Versorgung

Wassergefäße sind täglich zu reinigen und neu zu befüllen. Kot und Futterreste müssen täglich entfernt werden. Rückzugsorte sollten leicht feucht gehalten werden, um Dehydrierung und Panzerveränderungen vorzubeugen.

Die Tiere sollten mindestens mehrmals wöchentlich kontrolliert werden. Technische Einrichtungen (Wärme- und UV-Lampen, Thermostate, Zeitschaltuhren) müssen regelmäßig überprüft werden.

Nahrung und Fütterung

Köhlerschildkröten sind omnivor mit stark pflanzenbetonter Ernährung.
Den Hauptanteil sollten Wildkräuter, Blätter, Blüten, Gräser bilden. Ergänzend können in kleinen Mengen Obst (z. B. Papaya, Mango) sowie gelegentlich tierische Bestandteile (z. B. Schnecken, Insekten oder hochwertiges Eiweißfutter) angeboten werden. Im gegensatz zu vielen anderen, vor allem aus trockenen gebieten stammenden Arten vertagen Köhlerschildkröten auch gelegentliche Gaben von Gemüse und Salaten.

Eine Kalziumquelle (Sepiaschale) muss stets zur Verfügung stehen. Vitaminpräparate sind nur bei nachgewiesenem Mangel notwendig.

Ruhezeit

Köhlerschildkröten halten keine Winterruhe.
Bei leicht reduzierter Aktivität in kühleren oder trockeneren Jahreszeiten dürfen Temperaturen und Futtermenge moderat angepasst werden, jedoch ohne eine echte Abkühlungs- oder Hungerphase.

Häufige Erkrankungen und Parasiten

Typische Probleme sind Atemwegserkrankungen bei zu kühler Haltung, Parasitenbefall sowie Panzerdeformationen bei falscher Ernährung oder mangelhafter UVB-Versorgung. Jungtiere reagieren besonders empfindlich auf trockene Haltung.

Alle Tiere aus Auffangstationen sind tierärztlich untersucht und parasitologisch getestet. Bei Auffälligkeiten ist ein reptilienkundiger Tierarzt aufzusuchen.

Vermehrung

Von einer Vermehrung der Köhlerschildkröte wird abgeraten.
Auch diese Art ist im Heimtierbereich weit verbreitet, und eine verantwortungsvolle Unterbringung der Nachzuchten muss vorab gesichert sein. Die Aufzucht erfordert Erfahrung, Platz und konstante Haltungsbedingungen.

Sonstiges

Köhlerschildkröten mögen es nicht hochgehoben zu werden; dies verursacht Stress. Beim Hochnehmen entleeren sie sich häufig.

Die Art unterliegt dem Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES Anhang II). Herkunftsnachweise sind bei Weitergabe verpflichtend. Sie unterliegen der Meldepflicht.

Wir lehnen den Erwerb von Wildfängen ausdrücklich ab, da diese Tiere häufig stark parasitiert, geschwächt und schlecht anpassungsfähig sind und die Naturentnahme aus Artenschutzgründen nicht zu rechtfertigen ist.