Dieses Informationsblatt ersetzt nicht die Anschaffung und aufmerksame Lektüre von Fachliteratur! Für Neueinsteiger in dieses spannende Hobby empfehlen wir mehrere Bücher, sowohl über die Tierart als auch über Gestaltung und Betrieb von Terrarien, zu lesen!
Wesen
Die Spornschildkröte ist die größte auf dem Festland lebende Landschildkrötenart Afrikas und zählt zu den anspruchsvollsten Schildkrötenarten in der privaten Haltung. Jungtiere wirken oft ruhig und zutraulich, adulte Tiere entwickeln jedoch ein enormes Kraftpotenzial und ein ausgeprägtes Territorial- und Durchsetzungsverhalten. Insbesondere adulte Männchen können gegenüber Artgenossen und Menschen sehr dominant und mitunter aggressiv und gefährlich werden.
Spornschildkröten haben ein sehr hohes Bewegungs- und Grabbedürfnis. Sie sind keine „Streicheltiere“ und nicht für Kinder oder unerfahrene Halter geeignet. Eine sachgerechte Haltung erfordert extrem viel Platz, stabile Gehege und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein. Eine reine Terrarienhaltung ist dauerhaft nicht möglich.
Lebenserwartung
Spornschildkröten können 60–100 Jahre, in Einzelfällen auch deutlich älter werden. Die Anschaffung ist eine lebenslange Verpflichtung.
Größe / Herkunft / Lebensraum
Die Spornschildkröte stammt aus der Sahelzone Afrikas, südlich der Sahara. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Senegal und Mauretanien über Mali, Niger und Tschad bis in den Sudan und nach Äthiopien.
Sie bewohnt extrem trockene, heiße Savannen- und Halbwüstengebiete mit geringer Vegetation. Die Temperaturen erreichen tagsüber häufig über 40 °C, nachts kann es deutlich abkühlen. Niederschläge sind selten. Um der Hitze zu entgehen, graben Spornschildkröten teils mehrere Meter tiefe Bauten, in denen ein ausgeglicheneres Mikroklima herrscht.
Größe:
Einzel- oder Gruppenhaltung?
Die Einzelhaltung ist die bevorzugte und sicherste Haltungsform.
Männchen können untereinander extrem aggressiv sein und können sich schwer verletzen oder töten. Auch Weibchen werden häufig bedrängt. Gruppenhaltungen sind nur in sehr großen, professionell geplanten Anlagen möglich und selbst dort risikobehaftet.
Da Spornschildkröten in Auffangstationen sehr häufig sind und nur schwer vermittelt werden können, empfehlen wir ausdrücklich die Übernahme eines einzelnen Tieres.
Vergesellschaftung mit anderen Arten
Von einer Vergesellschaftung mit anderen Schildkrötenarten ist dringend abzuraten. Aufgrund der enormen Größe, Kraft und des abweichenden Klimabedarfs besteht ein hohes Verletzungs- und Stressrisiko für alle beteiligten Tiere.
Gehege: Größe & Einrichtung
Spornschildkröten benötigen sehr große, stabile Freilandanlagen und weiden dort Gräser.
Für ein adultes Tier sollten mindestens 20–30 m², besser deutlich mehr, zur Verfügung stehen. Die Umzäunung muss extrem stabil, ausbruchssicher und mindestens 60–80 cm hoch sowie tief im Boden verankert sein, da diese Tiere hervorragend graben.
In Mitteleuropa ist eine ganzjährige Außenhaltung nicht möglich. Für die kühle Jahreszeit ist ein großer beheizter Innenraum oder Stallgebäude mit isoliertem Boden zwingend erforderlich. Die Temperaturen sollten dort tagsüber bei 25–30 °C, an lokalen Sonnenplätzen bei 40–45 °C liegen.
Der Untergrund sollte aus Sand-Lehm-Gemischen bestehen, die Grabgänge ermöglichen. Steine, Hügel, Wurzeln und robuste Sträucher sorgen für Struktur. Ein flaches Badebecken muss jederzeit verfügbar sein. Kann den Tieren das Graben von Gängen und Höhlen nicht ermöglicht werden, sollten künstliche Höhlen verfügbar gemacht werden
Pflege- und Versorgung
Wassergefäße sind täglich zu reinigen und neu zu befüllen. Kot ist regelmäßig zu entfernen. Die Tiere sollten mehrmals wöchentlich kontrolliert werden, insbesondere auf Verletzungen an Beinen und Panzer.
Technische Einrichtungen (Wärmestrahler, UV-Lampen, Thermostate) müssen regelmäßig überprüft werden. Für Urlaubszeiten ist eine erfahrene Betreuungsperson zwingend notwendig.
Nahrung und Fütterung
Spornschildkröten sind reine Pflanzenfresser, angepasst an extrem rohfaserreiche, nährstoffarme Kost.
Die Ernährung sollte überwiegend aus Gräsern, Heu, Stroh, Wildkräutern und getrockneten Pflanzen bestehen. Frisches Grünfutter darf nur in begrenzten Mengen angeboten werden. Obst und Gemüse sind ungeeignet und führen langfristig zu schweren Stoffwechselerkrankungen.
Heu sollte jederzeit verfügbar sein. Zusätzlich muss stets eine Kalziumquelle (Sepiaschale) angeboten werden. Vitaminpräparate sind bei ausreichender UVB-Versorgung nicht notwendig.
Ruhezeit
Spornschildkröten halten keine Winterruhe.
In den Wintermonaten wird die Aktivität bei geringerer Tageslänge zwar reduziert, die Tiere müssen jedoch ganzjährig warm gehalten werden. Temperaturen unter 18 °C sind zu vermeiden.
Häufige Erkrankungen und Parasiten
Häufige Probleme sind Panzerdeformationen durch falsche Ernährung, Bewegungsmangel, mangelhafte UV-Versorgung sowie Atemwegserkrankungen bei zu kühler oder feuchter Haltung. Jungtiere reagieren besonders empfindlich.
Alle Tiere aus Auffangstationen sind tierärztlich untersucht und parasitologisch getestet. Bei Auffälligkeiten ist unverzüglich ein reptilienkundiger Tierarzt aufzusuchen.
Vermehrung
Von einer Vermehrung der Spornschildkröte wird dringend abgeraten.
Die Art ist im Heimtierbereich massiv überrepräsentiert, und die Vermittlung großer adulter Tiere ist extrem schwierig. Zudem erfordert die Aufzucht erhebliche Fachkenntnis, Platz und finanzielle Mittel.
Sonstiges
Spornschildkröten mögen es nicht hochgehoben zu werden; dies verursacht Stress und kann zu Abwehrreaktionen führen. Adulte Tiere können Menschen unbeabsichtigt verletzen, insbesondere durch Schieben, Stoßen oder Beißen.
Die Art ist im Anhang II des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) gelistet. Herkunftsnachweise sind bei Weitergabe verpflichtend. Es besteht eine Meldepflicht.
Wir lehnen den Erwerb von Wildfängen ausdrücklich ab. Diese Tiere sind häufig stark geschwächt, parasitiert und schlecht anpassungsfähig. Zudem ist die Naturentnahme aus Tierschutz- und Artenschutzgründen nicht zu rechtfertigen.