CARESHEET

TEPPICHPYTHON (Morelia spilota)

Dieses Informationsblatt ersetzt nicht die Anschaffung und aufmerksame Lektüre von Fachliteratur. Für Neueinsteiger in dieses spannende Hobby empfehlen wir mehrere Bücher sowohl über die Tierart als auch über Gestaltung und Betrieb von Terrarien zu lesen.

Zoologische Einordnung

Es gibt einige Unterarten des Teppichpythons, welche unterschiedliche Ansprüche an die Haltung haben. Regelmäßig haben wir in der Auffangstation z. B. M. s. cheynei und M. s. harrisoni gepflegt. Ebenso werden ab und an die, als eigene Art gelistete Morelia bredli in der Auffangstation gehalten. Als erste Station in Europa wurden bei uns Morelia carinata behördlich untergebracht. Um das Informationsblatt nicht zu komplex zu machen, verzichten wir im Folgenden darauf auf die einzelnen Arten und Unterarten einzugehen und sprechen übergreifend von „Teppichpythons“.

Das Wesen

Der Teppichpython ist eine aufgeweckte, neugierige und vergleichsweise aktive Schlange. Jungtiere sind oft nervöser und eher defensiv, was sich mit zunehmendem Alter und ruhigem Umgang meist deutlich legt. Adulte Tiere sind in der Regel gut handhabbar, jedoch deutlich reaktionsschneller und temperamentvoller als z. B. Königspythons. Bei Bedrohung können sie fauchen, zuschnappen oder sich energisch winden. Teppichpythons sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, nutzen aber auch tagsüber warme Ruheplätze oder sind aktiv im Terrarium unterwegs.

Größe & Lebenserwartung

Je nach Unterart bzw. Lokalform erreichen Teppichpythons meist eine Gesamtlänge von 180–250 cm, große Weibchen einzelner Formen auch bis 300 cm. Das Gewicht liegt in der Regel zwischen 3 und 8 kg. Die Lebenserwartung beträgt etwa 20–25 Jahre, in Einzelfällen auch darüber.

Herkunft / Lebensraum

Teppichpythons stammen aus Australien und Neuguinea. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst unterschiedliche Klimazonen – von gemäßigten Regionen im Süden Australiens bis zu tropisch-subtropischen Gebieten im Norden. Sie bewohnen Wälder, offene Buschlandschaften, Savannen, Felsregionen sowie landwirtschaftlich genutzte Flächen und Stadtrandgebiete.

Viele Teppichpythons sind halbbaumbewohnend und nutzen Bäume, Felsvorsprünge und Gebäude als Ruhe- und Jagdplätze. Die Temperaturen variieren je nach Region stark: Tagsüber werden häufig 26–32 °C erreicht, nachts kommt es – insbesondere in südlicheren Verbreitungsgebieten – zu deutlichen Abkühlungen. Die Luftfeuchtigkeit ist meist moderat, steigt jedoch in Regenzeiten an.

Einzel- oder Gruppenhaltung

Teppichpythons sind Einzelgänger. Eine dauerhafte Gruppenhaltung entspricht nicht ihrer natürlichen Lebensweise und wird nicht empfohlen. Tiere sollten grundsätzlich einzeln gehalten werden; eine Zusammenführung erfolgt üblicherweise nur kurzfristig zu Zuchtzwecken. Dennoch haben wir auch gute Erfahrungen mit Gruppenhaltungen gemacht, die dann allerdings in sehr großen Terrarien, bzw. Terrarienräumen stattfinden muss, die zudem sehr gut strukturiert sein müssen.

Vergesellschaftung mit anderen Arten

Von einer Vergesellschaftung mit anderen Schlangenarten ist abzuraten. Aufgrund ihrer Größe, ihres Jagdverhaltens und ihres Temperaments besteht ein hohes Verletzungs- oder Stressrisiko für alle beteiligten Tiere.

Terrarium: Größe & Einrichtung

Für einen ausgewachsenen Teppichpython sollte das Terrarium mindestens 200 × 100 × 160 cm (L × B × H) betragen, größere Maße sind ausdrücklich zu empfehlen. Die Höhe ist wichtig, da diese Art gerne klettert. Der Standort muss ruhig und erschütterungsarm sein.

Als Terrarien eignen sich Glas- , Kunststoff- oder gut versiegelte Holzterrarien.
Das Bodensubstrat sollte grabfähig und nicht staubend sein, z. B. ein Gemisch aus Erde, Sand, Laub und Rindenmulch.

Es müssen mehrere Versteckplätze am Boden und auch in den oberen Regionen (z.B. Korkröhren) sowie erhöhte Ruheplätze vorhanden sein. Stabile Kletteräste, Plattformen und Rück- bzw. Seitenwandstrukturen sind essenziell. Ein großes Badegefäß, in das die Schlange vollständig hineinpasst, ist bereitzustellen.

 Technik, Temperatur & Luftfeuchtigkeit

Wir empfehlen die Beheizung und Beleuchtung des Terrariums über moderne LED und Metalldampflampen zu steuern. Hierbei ist zu beachten, dass die LED Lampen speziell für Reptilien entwickelte Leuchtmittel sind (UV A Anteil!). Zudem müssen die Metalldampflampen geschützt werden, damit Verbrennungen vermieden werden. Um die Nachttemperatur zu steuern empfiehlt es sich ein Thermostat mit einem Heatpanel Infrarotstrahlung) zu kombinieren.

Heizmatten im Terrarium selbst sowie Heizsteine werden nicht empfohlen.

  • Tagestemperatur: 26–32 °C
  • Sonnenplatz: max. 35 °C
  • Nachttemperatur: 20–24 °C

Die Luftfeuchtigkeit sollte tagsüber etwa 50–60 %, nachts 60–70 % betragen. Während der Häutung kann sie zeitweise erhöht werden. Mehrere Thermometer und Hygrometer sind notwendig.

Pflege- und Versorgung

Täglich sind Wasser zu kontrollieren, gegebenenfalls zu wechseln oder aufzufüllen, Kot und Häutungsreste zu entfernen und die Temperaturen zu kontrollieren. Das Terrarium sollte regelmäßig, aber nicht übermäßig, gesprüht werden. Mindestens ein trockener Rückzugsort muss jederzeit vorhanden sein. Je nach Unterart (tropische Herkunft) und Terrariengröße empfiehlt es sich eine automatische Beregnungsanlagen zu installieren.

Nahrung und Fütterung

Im natürlichen Lebensraum ernähren sich Teppichpythons von Nagern, Vögeln, Fledermäusen und gelegentlich Reptilien. Im Terrarium werden sie mit Mäusen, Ratten und ggf. Küken in passender Größe gefüttert.

Gefüttert wird in der Regel alle 10–14 Tage, Jungtiere entsprechend häufiger. Adulte Tiere können auch seltener gefüttert werden. Tiefgefrorene Futtertiere sind aufzutauen und handwarm anzubieten. Die Fütterung mit einer stabilen, langen, gummierten Pinzette wird dringend empfohlen.

Bei mehreren Tieren im Terrarium ist strikt darauf zu achten, dass die Schlangen entweder herausgefangen und einzeln, getrennt, oder im Terrarium gleichzeitig gefüttert werden. Der Halter muss hierbei streng darauf achten, dass sich die Tiere nicht gegenseitig verletzten.

Ruhezeit

Eine saisonale Ruhephase ist empfehlenswert, insbesondere bei südaustralischen Unterarten.
Von November bis Januar kann die Temperatur tagsüber auf 22–26 °C, nachts auf 18–20 °C abgesenkt werden. Während dieser Zeit wird nicht oder nur sehr sparsam gefüttert.

Häufige Erkrankungen und Parasiten

Seriöse Herkunft, Quarantäne und regelmäßige tierärztliche Kontrollen sind entscheidend. Auffälligkeiten wie Futterverweigerung, Atemgeräusche oder vermehrtes Liegen im Wasser sollten stets ernst genommen und tierärztlich abgeklärt werden.

Durch regelmäßige Gewichtskontrollen kann man den Ernährungszustand besser einschätzen und schneller auf einen Gewichtsverlust reagieren.

Vermehrung

Von einer unüberlegten Vermehrung wird ausdrücklich abgeraten. Auch bei Teppichpythons ist der Markt regional gesättigt, und eine verantwortungsvolle Unterbringung der Nachzuchten muss vorab gesichert sein. Oft werden nur spezielle Farbmorphen gesucht. Tiere aus der Auffangstation haben häufig keinen Herkunftsnachweis und sind somit von der Zucht ausgeschlossen.

 Sonstiges

Jungtiere sind meist kontrastreicher gefärbt als adulte Tiere. Leider werden auch von Teppichpythons mittlerweile manigfaltige Farbmorphen gezüchtet, die teilweise neurologische Symptomatiken aufweisen (Jungle). Wir lehnen solche Designermorphenzucht dezidiert ab!

Teppichpythons besitzen ausgezeichnete Sinnesleistungen, insbesondere Geruchs- und Wärmewahrnehmung über ihre Labialgruben. Wie alle Pythons tragen sie rudimentäre Beckenknochen in Form von Afterspornen.

Teppichpythons unterliegen artenschutzrechtlichen Bestimmungen (CITES Anhang II / EU-Anhang B). Beim Weitergeben der Tiere ist ein Herkunftsnachweis erforderlich.

Die sehr groß werdenden Unterarten waren in Bayern kurzfristig als potentiell gefährlich gelistet. Dies ist seit Jahren nicht mehr der Fall. Alle Teppichpythons sind somit ohne Sondergenehmigung nach LStVG (in Bayern) legal zu halten.

Der Erwerb von Wildfängen wird strikt abgelehnt, da diese Tiere häufig mit diversen Parasiten infiziert, gestresst und schlecht anpassungsfähig sind und die Naturentnahme aus Artenschutzgründen nicht zu rechtfertigen ist.