In der vergangenen Woche wurden gleich zwei tierische „blinde Passagiere“ in EDEKA Filialen in Bayern entdeckt: eine Spinne und eine Schlange. Beides Tiere, die in der Bevölkerung häufig auf Ablehnung stoßen und in der medialen Berichterstattung nicht selten vorschnell als potenziell gefährlich eingeordnet werden. Tatsächlich stellte sich jedoch heraus, dass von keinem der beiden Funde eine Gefahr für den Menschen ausging.
Den Anfang machte ein Fund, der auch in sozialen Medien Aufmerksamkeit erregte: Die Feuerwehr veröffentlichte ein Foto einer Spinne, die in einem Plastikbehälter gesichert worden war, und bezeichnete sie als „Bananenspinne“. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass es sich um ein giftiges Tier handle. Zwar sind beinahe alle Spinnenarten giftig, jedoch stellen nur sehr wenige eine medizinisch relevante Gefahr für den Menschen dar. In diesem konkreten Fall handelte es sich außerdem nicht um eine potenziell gefährliche Bananenspinne, sondern um eine Riesenkrabbenspinne, die für Menschen keine Gefahr darstellt.
Nur einen Tag später wurde ein weiterer Fund gemeldet: Aus einer in Plastik verpackten Bananenlieferung ragte der Kopf einer Schlange hervor. Die Finder reagierten vorbildlich, verpackten das Tier samt Lieferung in einer Kiste und brachten es in die Auffangstation für Reptilien in München. Dort hatte bereits die zuvor entdeckte Spinne vorübergehend Aufnahme gefunden.
Anhand erster Fotos konnten die Experten schnell feststellen, dass es sich bei der Schlange nicht um eine heimische Art handelte. Ob das Tier gefährlich war, ließ sich aus den Bildern jedoch zunächst nicht eindeutig beurteilen. Vor Ort stellte sich schließlich heraus, dass es sich um eine sogenannte Wolkennatter (Sibon nebulatus) handelt. Diese ungiftige Art stammt ursprünglich aus dem südlichen Nordamerika sowie Teilen Südamerikas und ernährt sich überwiegend von Schnecken. Vermutlich war das Tier auf Nahrungssuche und gelangte dabei in die Bananenlieferung.
„Nur selten werden tatsächlich gefährliche Arten in solchen Lieferungen entdeckt. Dennoch ist es wichtig, die Tiere schnell zu sichern und Fachleute hinzuzuziehen“, erklärt Dr. Markus Baur, Leiter der Auffangstation für Reptilien in München. „Bedauerlich ist, dass selbst nach erfolgter Artbestimmung und Aufklärung weiterhin Falschinformationen verbreitet werden – wie im Fall der Spinne. Denn diese Tiere haben es in der öffentlichen Wahrnehmung ohnehin schon schwer genug.“
Sowohl die Schlange als auch die Spinne verbleiben zunächst in der Auffangstation und warten dort auf ein neues Zuhause. Als mögliche Unterbringung kommen Zoos oder qualifizierte Privathalter infrage. Eine Rückführung in die ursprünglichen Herkunftsgebiete ist in der Praxis häufig schwierig. Neben hohen Kosten und organisatorischem Aufwand, etwa durch Zollformalitäten und Transportlogistik, besteht auch das Risiko, dass die Tiere während des Transports Krankheitserreger aufgenommen haben könnten, die lokale Bestände gefährden.
Zudem sind Bananenplantagen nicht der natürliche Lebensraum der Tiere. Sie geraten häufig nur aufgrund der veränderten Umweltbedingungen durch menschliche Nutzung in diese Bereiche. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie unbeabsichtigt in erneut in Lieferketten gelangen.
Fotos zur honorarfreien Verwendung: Auffangstation für Reptilien, München e.V.
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Die Auffangstation für Reptilien, München e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der 2001 gegründet wurde. Mit jährlich über 1.500 geretteten und weitervermittelten Tieren ist sie Deutschlands größte Auffangstation für exotische Haustiere. Die Aufklärung der Bevölkerung über die hohen Ansprüche vieler Arten ist dabei ebenso wichtig, wie die Zusammenarbeit mit den Behörden, anderen Tierhalteeinrichtungen und der Politik. Unsere speziell geschulten Tierpfleger, Tierärzte und Biologen sorgen mit ihrer wissenschaftlich fundierten Arbeitsweise für eine nachhaltige Verbesserung der Haltungsbedingungen von Reptilien und anderen Exoten in ganz Deutschland.
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